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Scottie´s Tagebuch

28. Februar 2010

Endlich ist er da, der Tag, an dem unsere Familie Zuwachs bekommt. Der Entscheidung, einen Welpen aufzunehmen, ging ein ziemlich rationaler Gedankengang voraus und eine über Jahre hinweg ausgeprägte "Welpenresistenz". Und nun, da ich Scottie und seine Geschwister bereits zweimal besucht habe, merke ich, dass mich (ja...MICH!) langsam aber sicher das Welpenfieber infiziert hat. Diese kuscheligen, warmen, satten, nackten Babybäuche, die kleinen feuchten Näschen, das noch etwas trottelige Toben und Rennen, das zufriedene Ineinandergekuschel auf dem Schlaflager, wo jeder seine Füßchen in des anderen Körperteile streckt.... nun ja, schwer zu widerstehen und Gott sei Dank waren alle Planungen und Pro´s  & Contra´s VOR dem 1. Besuch der Welpen abgeschlossen.

Endlich ist es also soweit und ausgestattet mit einer Hundedecke, Leckerlis und Kaustangen machen wir uns auf den Weg nach Reken. Alex, die Züchterin, hat zum Brunch eingeladen und wir treffen dort auf weitere Frauchen und Herrchen, die "ihren" Familienzuwachs ebenso wie wir mit kleinen roten Glücksherzchen in den Augen bewundern. Arme Alex... während wir alle schon Pläne für den nächsten Tag schmieden, die Namensgebung diskutieren und einfach nur glücklich sind, wird Alex immer stiller. Unmengen von Futterbeigaben stellt sie für jeden Hund zusammen, erklärt noch einmal das 1x1 des Barfens, gibt viele hilfreiche Tipps für die Rückreise... und drückt jeden Welpen nochmals lange und innig auf ihrem Arm. Manch einer, der Alex schon länger kennt, behauptet, sie hege in solchen Augenblicken immer die Hoffnung, die neuen Halter würden beim Einsteigen ins Auto vergessen, warum sie eigentlich gekommen sind...

Die "kleinen" Racker sind seit unserem letzten Besuch schon wieder kräftig gewachsen und man sieht deutliche Unterschiede in der Ausprägung der Köpfe, Ohren oder dem Fang. Auch das Haarkleid der Kurzhaar-Collie-Welpen variiert bereits von "richtig kurz" bis hin zu "eher drahtig-länger"...

Scottie ist zweifelsohne DER Welpe mit dem längsten Fang, was selbst meinem Mann auffällt, verbunden mit der Frage, ob das denn "so bliebe"...? Ein paar Wochen später werden wir diese Frage bejahen können, denn Scottie wird dann zu Recht den Spitznamen Pinocchio erhalten...

Bei leckeren Brötchen und frischem Kaffee verfliegt die Zeit bei Alex wie im Sturm...letzterer verhindert auch ein allzu langes Verweilen vor Ort, denn für den Nachmittag gibt es eine Sturmwarnung für NRW. Nach mehreren emotionalen Abschiedsszenen machen wir uns auf den Heimweg, der bis auf ein kleines "Kötzeln" von Scottie problemlos verläuft. Mein Mann ist sehr dankbar dafür... sind wir doch mit dem Firmenwagen unterwegs und nicht mit meiner "Hundekutsche".

Die Einführung  in die neue Haus- und Sozialgemeinschaft findet auch für Scottie nach einem festgelegten "Meet & Greet" -Ritual statt: zunächst eine gemeinsame Runde durch Haus und Garten an der Leine; danach das Kennenlernen meiner Hunde im "Einzelpack" (je größer der Hund - desto vorsichtiger wird Scottie...), zuletzt alle Hunde gemeinsam. Scottie benimmt sich vorbildlich, ist interessiert, aber nicht "vorlaut" und jeder meiner Hunde trottet nach einer intensiven Beschnüffelung wieder von dannen.

Den Rest des Abends verbringe ich damit, Scottie ein paar kleine Kopfaufgaben abzuverlangen und das "Mitbringsel" (ein Stoffsegelboot á la Jack Sparrow) aus seinem alten Zuhause wird sofort zum Selbstläufer. Darüber hinaus lernt er von Anfang an, dass meine Hunde, insbesondere die Senioren, keine Störungen in ihren Schlafkudden dulden.

Die nächsten Tage stehen jetzt für mich erst einmal unter dem Motto "zuschauen & beobachten": wie sicher/unsicher reagiert er auf Umweltreize? Wie verarbeitet er neue/fremde Eindrücke? Wie ist sein Sozialverhalten? Wie hoch/niedrig ist seine Reiz- und Frustrationsschwelle? Zeigt er bereits Ansätze von Hüte- oder Jagdverhalten? Kurzum: was bringt der kleine Mann an Veranlagung und bereits erlerntem Verhalten mit.

Die 1. Woche bei uns... (11. Lebenswoche)

Nach einigen Tagen intensiven Beobachtens und Beurteilung unterschiedlicher Situationen lässt sich ein erstes, vorläufiges Fazit ziehen:

Obwohl er viele Umweltreize bisher nicht kennengelernt hat, zeigt sich Scottie im Alltag sehr sicher und souverän. Menschen, Straßenlärm und Alltagsgeräusche... kein Problem für Scottie. Alles wird genauestens, ohne Anzeichen von Unsicherheit, beobachtet und nach Möglichkeit ausgiebig untersucht.

Die ersten, aber deutlichen Anzeichen eines Hütetriebes sind bereits erkennbar: alles Bewegliche mit 4 Pfoten (ausgenommen größere Tiere wie Pferde, Kühe - hier zeigt er deutliche Unsicherheit), 2 Rädern (Fahrräder, Motorrad) oder 2 Beinen (Joggern, etc.) wird zunächst fixiert und dann in abgeduckter Haltung verfolgt und per "Fersenbiss" gestoppt.

Im Direktkontakt mit (bekannten wie fremden) Menschen beeindruckt Scottie durch sein sehr offenes und freundliches (zuweilen noch recht stürmisches) Wesen. Rollstühle wie auch der Kontakt zu behinderten Menschen lassen ihn völlig unbeeindruckt.

Fremde, größere Hunde (insbesondere wenn sie in Gruppen auftauchen und stürmisch sind im Erstkontakt) verunsichern Scottie sehr. Bei Einzelkontakten ist er zunächst abwartend-vorsichtig, schätzt sein Gegenüber aufgrund seines Verhaltens ein und wird dann wieder unbefangen.

Im Haus verhält er sich ausgeglichen, findet aber von alleine keine Ruhe oder einen Schlafrhythmus; oft "tigert" er rastlos durch´s Haus, macht ein sehr kurzes Nickerchen hier und dort, ist aber sofort wieder hellwach, sobald sich irgendwer oder irgendwas bewegt.

Autofahren ist definitiv nicht seine Lieblingsbeschäftigung - er hat Stress, speichelt viel...

Sein Verhältnis zu unseren Hunden ist sehr unterschiedlich: gegenüber unserem Rüden ist es geprägt von Vorsicht und einer "den-lass-ich-mal-besser-in-Ruhe"-Einstellung.  Eddie´s got a short fuse... wie die Amerikaner sagen würden (salopp ausgedrückt: Eddie fackelt nicht lange, wenn ihn jemand nervt...).

Unsere kleine Senior-Hündin hat Scottie bereits als "Leichtmatrose" geoutet und er findet es sehr unterhaltsam, sie "zu hüten".

Shira, da einerseits sehr geduldig mit "netten" Welpen und andererseits selber gerne zu kurzweiligen Sozialspielen aufgelegt, ist Scottie´s Favoritin (wie könnte es auch anders sein...). Signalisiert sie einen Abbruch, akzeptiert dies Scottie sofort - ohne auszutesten oder zu hinterfragen. Und WEIL das so ist, zeigt sich Shira außerordentlich großmütig und mit einer Engelsgeduld.

Scottie ist 10 Wochen lang in einem Doppelwurf (mit 12 weiteren Welpen) aufgewachsen - er ist ausgesprochen innerartlich orientiert und verhält sich (für sein junges Alter) überraschend autark; der Mensch - außer kurzen stürmischen Begrüssungsorgien - spielt für Scottie eine recht untergeordnete Rolle. Man könnte es auch deutlicher formulieren: Mensch ist Scottie im Hinblick auf die Frage "brauche ich den wirklich?" völlig unwichtig! Was zählt, sind Artgenossen... und selbst die werden schon mal schnell zur Nebensache, wenn der 6.000 qm Hundeplatz ruft. In der Gegenwart von mir und meinen Hunden auf diesem Areal erkundet Scottie völlig unbeeindruckt im Alleingang den letzten Winkel... wo wir uns aufhalten (oder ob wir überhaupt noch "da" sind...?) interessiert ihn nicht.

*****

 

Die 2. Woche bei uns... (12. Lebenswoche)

Scottie ist jetzt 12 Wochen jung und diese Woche steht ganz im Zeichen von "Lernen". Alle Einschätzungen der 1. Woche werden nun als Basis genommen, um zu beginnen, die Anzeichen von Unsicherheit oder Fehlverhalten zu korrigieren. Dazu gehört:

Hütetrieb: 2 Nachmittage intensives Training auf den gut besuchten Wander- und Radfahrwegen vor unserer Haustür waren ausreichend, um Scottie ein Alternativverhalten (wahlweise ein Absitzen, oder eine Platzablage oder ein Weitergehen an lockerer Leine) zu vermitteln. Er lernt schnell und nachhaltig und ist bei der "Arbeit" sehr aufmerksam.

Sein Streben, unsere kleine Seniorin zu hüten, wird konsequent von mir unterbunden (nonverbal mittels Körpersprache, aber parallel auch mit einem Abbruchsignal).

Autofahren: Regelmäßige, sehr kurze Fahrten (teilweise nur wenige Minuten) haben Scottie´s Stressanfälligkeit im Auto deutlich gemindert. Er fühlt sich während der Fahrt im Kennel deutlich wohler als ohne. Jetzt wird die Fahrtdauer langsam, aber stetig erhöht.

Aus- und Ruhezeiten: Es gibt einen im Wohnzimmer integrierten "Welpenschlafplatz" (ein ehemaliges Schutzgitter für den Kamin), in dem Scottie lernt, dass "hier" Ruhezeiten angesagt sind (z.B. nach dem Fressen oder auch während des Mittagsschlafes des Senioren-Duos). Nach anfänglichen lautstarken Protesten, weil er nicht mehr nach eigenem Gusto wie ein Tiger rast- und ruhelos durch´s Haus streifen kann (so lange, bis er nach STUNDEN todmüde endlich schläft), hat er den Welpenplatz sehr gut angenommen. Hier bekommt er nun ausschließlich seine täglichen Futterrationen und legt sich danach sofort auf sein Kissen und schläft für die nächsten 3 Stunden, begleitet von akustischen und motorischen Traumsequenzen...

Manchmal ist er einfach soooo müde von den Tagesaktivitäten, dass er noch während des Fressens einschläft...

 

Unsicherheit gegenüber fremden Hunden: Wir üben zunächst dort, wo wir viele ANGELEINTE Hunde treffen können. Scottie lernt schnell, dass ich stürmische Hunde für ihn zunächst in "ihre Schranken" weise (wenn es der eigene Halter nicht für nötig hält...) und der danach stattfindende Erstkontakt abgesichert ist. Er wird nach und nach viel entspannter bei Hundebegegnungen und ich muss schnell das Training umstellen, denn nun ist es Scottie, der mit erstarktem Selbstbewusstsein "stürmisch" zu jedem Hund möchte. Die Begegnung mit großen, freilaufenden Hundegruppen ist uns BEIDEN nicht immer geheuer... sie funktionieren aus Sicht der Hundehalter meistens nur unter dem Motto "der tut nix" (hören aber leider auch nicht....). Wir meiden deshalb die berühmt-berüchtigten Hundefreilaufzonen in Krefeld, die schon manchen 4-beinigen Todesfall zu vermelden hatten. Aber "sie tun ja nix"...

Orientierung am Menschen

Die nächsten Wochen werde ich mit Scottie viel alleine spazieren gehen und mich mit ihm beschäftigen bzw. üben. Interaktionen/Sozialspiele mit meinen Hunden (bzw. Shira) sind ausdrücklich erwünscht, nehmen jedoch aufgrund des neuen "Beschäftigungs- und Schlafrhythmus" von Scottie zunächst einmal deutlich ab. Scottie ist entweder müde; döst oder schläft... oder er ist wach und wir beide "arbeiten". Auch einen Teil seiner Futterration muss er sich nun über eine entsprechende "Kooperation" mit mir selber erarbeiten. Ebenfalls gehören jetzt regelmäßige Blickkontaktübungen zum täglichen Übungsrepertoire, um seine Aufmerksamkeit mir gegenüber zu fördern. 

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Die letzte Impfung hat er heute bei uns zuhause erhalten - eine liebe Freundin und Tierärztin hat gleich das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden...

Scottie ist bereits stubenrein (nachdem wir die ersten Tage im 2 h - Rhythmus die "Toilettenecke" im Garten aufgesucht haben) und erfreulicherweise ist er ein Langschläfer. Vor 07.30 h wird er nie wach und selbst dann muss man ihn sanft auffordern, zu tun was zu tun ist - er hat es nie eilig...

Zwischen den Ruhezeiten, den (kleineren) Spaziergängen, den Übungen des kleinen Hunde-"1x1" und den Sozialspielen mit Shira zeigt der kleine aktive Mann immer wieder seine Vorlieben: Hundespielzeug ist "out" - leere Riesenplastikflaschen dafür "mega-in"...

 

 

Fortsetzung...

 

Scottie zieht ein.... endlich ist es soweit!