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Therapiehund "Scottie" oder .... Welpenalarm!

Tierschutz... und einen Welpen vom Züchter - wie "geht" das zusammen?

Februar 2010

Als grundsätzlicher Verfechter (gerade auch in Bezug auf meine Tierschutzarbeit) einer WOHLÜBERLEGTEN Anschaffung eines Hundes sollten Anspruch & Wirklichkeit Hand in Hand gehen; sich Vernunft, Gefühl und Erfahrung ergänzen. Hätte es nur den Wunsch nach einem weiteren, vierten Hund gegeben - es wäre der 7. eigene "Tierschutzhund" in Folge für mich geworden. Jedoch... stand diese Entscheidung vor dem Hintergrund, einen sehr gut veranlagten Welpen/Junghund aufzunehmen, um mit der bestmöglichen, genetischen Basis das spätere Training für das Ziel "Besuchs- bzw. Therapiehund" zu nutzen.

"Machen" sprich "antrainieren" könnte man zweifelsohne JEDEN Hund für JEDE Aufgabe; jedoch... ob der Hund selbst später dann darin eine selbstbelohnende Aufgabe sieht, ist SEHR fraglich. Für mich persönlich ist dieser Aspekt jedoch sehr wichtig - es sollte keine einseitige,  "menschliche" Freude an einer Aufgabe sein, während der Hund die "Arbeit" freudlos erledigt...

Die Anforderungen an einen "guten" Therapiehund, der gerne und freudig, überall und jederzeit mit jedermann mit Feuereifer bei der Sache ist, sind hoch. Der Umgang mit alten, körperlich gebrechlichen oder psychisch kranken Menschen erfordert einen sehr wesensfesten Hund, der - ebenso für sein Halter - eine fundierte Ausbildung benötigt. Dabei stehen - für mich persönlich - zunächst die individuellen hündischen Bedürfnisse im Vordergrund. Sind diese erfüllt - durch einen gezielten Aufbau des Hundes und eine fundierte Weiterbildung ohne Hast, Ungeduld und Erwartungsdruck - ist der Weg geebnet für die nun anstehenden Aufgaben.

Ich freue mich sehr auf diese - für mich völlig neue - Herausforderung und die intensive Begleitung von Scottie auf seinem Weg zum Therapiehund.

Gleichzeitig möchte ich die Welpenzeit nutzen, ein kleines "Tagebuch" zu schreiben. Vieles rund um die wichtige Prägephase eines Welpen wird mitunter unterschätzt bzw. man meint es "gut" und erreicht genau das Gegenteil. Hierzu zählt allem voran die Prägung des Welpen auf "seine" Menschen und die Wahl der richtigen Welpenschule: nichts ist interpretationswürdiger als "Verpackung & Inhalt" von sogenannten Welpenspiel- und -prägegruppen...

Und... last but noch least, bietet der Einzug von Scottie auch die Gelegenheit, endlich einmal dem Wunsch einiger Leser unserer Tierschutz-Kolumnen nachzukommen: nämlich über das Thema "Mehrhundehaltung" und seine Vorzüge aber auch Problematiken zu berichten. Leider nimmt dieser Aspekt gerade auch im Tierschutz immer mehr an Bedeutung zu: der vorhandene Hund, der sich nicht mit dem Neuzugang versteht... oder die anfängliche Harmonie, die kurz darauf in gegenseitige Aggressionen umschlägt. Was kann man tun, um ein konfliktfreies Miteinander aktiv zu gestalten bzw.... wie erkennt man, dass Konflikte entstehen bzw. sich festigen und wie löst man sie dauerhaft?

 

Die Mehrhundehaltung

... ist eine wunderbare Aufgabe und die innerartlichen Interaktionen und Kommunikationen eine höchstspannende Angelegenheit - ich bin jedes Mal auf´s Neue fasziniert, wenn ich meine Hunde "untereinander" beobachten kann. Jedoch kann aus purer Harmonie auch ganz schnell ein angespanntes Miteinander werden, das jederzeit zu "kippen" droht. Grundsätzliche Gedanken zur Mehrhundehaltung... Sie finden sie hier.

Unsere Hundegemeinschaft bestand bis vor knapp 3 Jahren aus vier Hunden; alle hatten eine Tierschutz-relevante Vorgeschichte; alle Hunde sind "Unikate" - jeder auf seine Art höchst unterschiedlich im Charakter - mit all ihren Vorzügen und "Nachteilen"....:

1. Unsere Rottweilerhündin war ein Ausbund an Ruhe und Gelassenheit gegenüber unseren eigenen wie auch fremden Hunden. Für Bonnie stand der Mensch im Vordergrund und dementsprechend hatte sie einen starken Bezug zu unseren Familienmitgliedern. Rassetypisch war sie fremden Menschen gegenüber zurückhaltend und mochte keine "überfallartigen" Sympathiebezeugungen, was sich aber schnell legte, wenn man als Halter Fremdkontakte "koordinierte" - auf beiden Seiten! Sie hatte von sich aus wenig innerartlichen Bezug - und ihr typisches Verhaltensrepertoire gegenüber unseren eigenen Hunden wie auch Pflegehunden bestand darin, sie weitestgehend zu ignorieren. Sie zeigte sich großmütig bei "Grenzüberschreitungen"; kontrollierte oder maßregelte ihre Artgenossen nie. Ressourcen jeglicher Art waren ihr nie wichtig genug, um sie auch nur ansatzweise gegenüber anderen Hunden zu beanspruchen oder gar zu verteidigen. Ihre Ruhezeiten jedoch waren ihr heilig - und hier genügte ein kurzer, fixierender Blick und jeder andere Hund "verstand"... Eine Traumhündin und unser "Seelenhund": leider verstarb Bonnie im September 2007 im Alter von knapp 9 Jahren an einer unheilbaren Krebserkrankung.

2. Unser mittlerweile 15-jähriger Rüde, ein spanischer Mix undefinierbaren Ursprungs (vom Verhalten ein Terrier x Hütehund - Hormoncocktail...) ist das genaue Gegenteil: immer auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn wandelnd; immer kurz vor der Überreaktion, Hyperaktivität oder meistens mit der tiefsten Überzeugung gesegnet, dass ihm die ganze Welt gehört - mitsamt Insassen! Eddie ist ein Ausbund an Gesundheit, Schnelligkeit und Ausdauer und wir sind sehr froh, dass wir einen solch "fitten" Senior bei uns haben!

Unserem Rüden ist ALLES wichtig; allem voran... sein Territorium! Gäbe es so etwas wie Haus & Garten nicht, er würde uns schon längst verklagt haben! Ich habe selten einen Hund erlebt, der so nachhaltig immer und immer wieder jede kleinste Inkonsequenz ausnutzt, um sein Ziel zu erreichen. Fremde Menschen würde er gerne kontrollieren (jedoch nur kurz - so wichtig sind dann Menschen doch wieder nicht); fremde Hunde sind WICHTIG, würden sofort provoziert und frontal angesteuert, kontrollierend, knurrend aufreitend und mit einer 360 ° Grad "Urinspur" eingekesselt, dauerhaft, nonstop - ließe man ihn als Halter gewähren.

Eddie wurde von unserer Rottweilerin nie für "voll" genommen - sie hatte bereits erkannt, dass sein allzu auffälliges, demonstratives Verhalten kein Inbegriff für Souveränität und "Führungsqualität" ist und ignorierte ihn vollends. Auf unsere jüngste Hündin hingegen wirkte sein Verhalten mit der Zeit wie Öl auf Feuer...

3. Die zweite Hündin im Bunde gehört ebenfalls in die Seniorenklasse - Gini ist 14 Jahre "jung", ein Terrier-Irgendwas-Mix und erhebt den Anspruch, auch ihren 120. Geburtstag putz & munter mit uns feiern zu dürfen.

Sie ist das, was ich gerne als "Selbstläufer" bezeichne: ein Hund, der 5-jährig zu uns kam und NIEMALS erzogen werden musste und selbst auch Fehler von uns Haltern ausbügelte... Alle so wünschenswerte Eigenschaften und Verhaltensweisen wie z.B.  Leinenführigkeit; Menschenfreundlichkeit, Verträglichkeit mit Artgenossen, kein Jagdtrieb, jederzeit abrufbar und sowieso immer einen Radius von unter 3 Meter zu uns einhaltend... sie brachte all dies als Geschenk mit. Demzufolge problemlos fügte Gini sich in unsere Hunde-WG ein und ist auch heute noch DER Hund, der keinerlei Führung oder Ansprache im Umgang mit Pflegehunden benötigt.

4. Unsere dritte Hündin kommt ebenfalls aus dem Tierschutz und war verantwortlich für meine ersten grauen Haare,  Unterzuckerungszustände (deren Symptome ich bis dato nur vom Hören-Sagen kannte), Schlaflosigkeit und quälende Selbstzweifel... Shira reagierte panisch auf Umweltreize, insbesondere Straßen/Autos; hatte einen extremem Jagdtrieb, besitzt ein autarkes Wesen und ähnelt im Wesen eher einer Katze als einem Hund und entwickelte nach erfolgreicher (Angst)Therapie und erstarktem Selbstbewusstsein eine absolute Unverträglichkeit gegenüber unserem Rüden. Eine sehr schwierige Phase und aufgrund des "24h-Alarmzustands" in dieser Intensität damals Neuland für mich. Nach einem Intensivtraining und mir auferlegten "Management"-Qualitäten gehört dies seit nunmehr 5 Jahren der Vergangenheit an... diese beiden Hunde werden sich niemals "lieben", aber sie dulden bzw. akzeptieren sich heute problemlos, jedoch nicht ohne grundlegende Führung durch den Menschen. Ein "Job", der bleibt... ein Leben lang.

Früher war Shira "jederman´s Hundefreundin" und meine Hundegouvernante für alle unsere Pflegehunde - nach zwei Beissvorfällen, ausgelöst durch freilaufende, aggressive (und offensichtlich sehr schlecht sozialisierte Hunde, die durch ihre Halter nicht abgerufen werden konnten, weil sie ja "nix tun"...) hat ihre Unvoreingenommenheit gegenüber fremden Hunden sehr gelitten. Fremde Hunde/Pflegehunde akzeptiert sie dennoch jederzeit und problemlos, sofern sie - im Erstkontakt - mit sozial inkompetenten oder respekt- und distanzlosen Hunden nicht mit "Eigenverantwortung" hinsichtlich Selbstschutz belastet wird. Leider gibt es immer noch (zu) viele Hundehalter, die glauben, dass Hunde jederzeit und überall alles selber "klären" sollen und müssen... die Folgen von solchen einschneidenden Erlebnissen (auch bzw. auch gerade dann, wenn kein Blut fließt) sind oftmals sehr nachhaltig und werden viel zu oft unterschätzt (Anmerkung: ein Großteil meiner -  verhaltensauffälligen - Kundenhunde zeigen Defensivaggressionen gegenüber Artgenossen aufgrund genau DIESER Erlebnisse...).

Alles in einem... ein bunter Mix aus völlig unterschiedlichen Hunden und (Trieb)Veranlagungen, Prägungs-"zuständen" und erlernten Verhaltensweisen.

Der Tod unserer Rottweiler-Hündin im Jahr 2007 hat uns tief getroffen. Ein "neuer" Hund war für uns lange Zeit nicht vorstellbar. Erst Anfang 2010 - in Verbindung mit meinem Interesse an einem Therapiehund - unternahm ich die ersten zaghaften Versuche und hielt "Ausschau". Seit Ende Februar lebt nun Scottie bei uns, ein Kurzhaar-Collie aus dem Hause Margrave Hills. Aus dieser Zuchtlinie sind bereits in der Vergangenheit erfolgreiche Therapiehunde hervorgegangen und wir sind begeistert vom Wesen dieser Rasse... und natürlich von Scottie selbst!

 

Scottie´s Tagebuch

10. - 12. Lebenswoche

Monat 4                    Monat 5                     Monat 6

Monat 7                        Monat 8                     Monat 9 - 12

Monat 12 - 15             Monat 16 - 18           Monat 20 - 24

 

 

In diesem Beitrag möchten wir folgende Aspekte - da sie alle miteinander eng verbunden sind - ansprechen:
 
- Welpenprägung und -aufbau
 
- Mehrhundehaltung
 
- Vorbereitung auf die spätere
  Ausbildung eines Therapie-
  hundes