Hundehilfe Eifel

Beratung - Vermittlung - Pflegestellen

Privater Tierschutz & Hundeschule

So erreichen Sie uns:

 Festnetz: 02151/96 60 66

Mobil: 0171/50 40 60 7

e-mail: admin@hundefreud-hundeleid.de

HP: www.hundefreud-hundeleid.de

 

 

 

Der Hund ist schuld!

Nichts wird im Tierschutz so kontrovers diskutiert wie die Gründe, die zur Abgabe eines Hundes führen…
 
Gründe, warum ein Hund wieder abgegeben wird, gibt so viele wie Sand am Meer: er bleibt nicht alleine, er bellt zu viel, er mag die Kinder nicht, hat sie sogar gebissen, er mag den Ehemann nicht oder die Schwiegermutter, er will partout nicht Auto fahren, er ist eifersüchtig auf den vorhandenen Rüden oder umgekehrt… alle Gründe aufzuzählen, wäre unmöglich.
 
In fast jedem Fall ist der (Noch)-Halter der Meinung, er bzw. sie habe alles richtig gemacht. Die Wiedergabe der Gründe bzw. Rechtfertigungen folgt in der Regel immer einem vergleichbaren Schema: zunächst wird ausführlich aufgezählt, was DER HUND (Fazit 1…) alles nicht kann bzw. falsch macht; gefolgt von der persönlichen Feststellung, dass man selbst „alles richtig gemacht und alles versucht“ hat (Fazit 2…), aber der Hund einfach nicht versteht, deshalb muss er ausziehen und zwar so schnell wie möglich (Fazit 3…).
 
Erstaunlicherweise sind es aber gerade jene Menschen, die noch wenige Wochen zuvor versicherten, dass sie über sehr viel Hundeerfahrung verfügen, dass sie dem Hund selbstverständlich eine individuelle Eingewöhnungsphase gewähren, dass sie ggf. unerwünschte Verhaltensweisen ihres „2nd Hand“ Hundes mit Geduld, Konsequenz und Durchhaltevermögen begegnen, um die zukünftige Erziehung in die richtigen Bahnen zu lenken. Und JEDER Halter sagt den einen Satz, der die (Wert)Stellung des Hundes auf den Punkt bringen soll: „Er ist ein vollwertiges Familienmitglied – er gehört zu uns und wir können uns nicht vorstellen, ihn jemals wieder herzugeben…“.
 
Das Familienmitglied – was genau ist damit gemeint? Nun, für mich ganz persönlich würde es – unabhängig davon, ob es sich um Mensch oder Tier handelt – bedeuten, dass diese Beziehung „unkündbar“ ist; dass das sprichwörtliche „durch dick und dünn gehen“ GENAUSO zu verstehen ist wie das Versprechen „in guten wie in schlechten Tagen“ zueinander zu stehen. Wenn man schon den Ausdruck „Familie“  bemüht, dann sollte er schon einiges an Gewicht mitbringen, oder nicht?
 
Und „vergleichen“ wir doch einmal die Probleme unserer menschlichen und hündischen Familienmitglieder! Sind sie wirklich so unterschiedlich?
 
Pluto, ein 6 Monate alter Mischlingsrüde, soll nach nur wenigen Wochen wieder ausziehen, Pluto mobbt Benny, den Cockerspaniel der Familie, bei jeder Gelegenheit, schnappt nach den Hosenbeinen der Kinder und knurrt laut und energisch, wenn man ihn korrigieren will. Man hat nun Angst, dass Benny sich zurückgesetzt fühlt und die Kinder schlechte anstatt gute Erfahrungen mit dem Hund machen. Irgendwie hat man es sich doch ganz anders vorgestellt – man wollte ganz bewusst einen 2. Hund, weil man Hunde liebt, viel Platz und Zeit und auch Erfahrung hat.
 
Benny hat sich immer gut mit anderen Hunden auf den Spaziergängen vertragen und auch in den ersten beiden Wochen schien alles so harmonisch - und nun „so etwas“. Da Pluto nicht verstehen will (Fazit 1), dass er sich „normal“ zu verhalten hat und man schon wirklich alles versucht hat (Fazit 2), bleibt jetzt nur die Einsicht, dass Pluto die falsche Wahl war und leider nicht bleiben darf (Fazit 3). Auch die restliche Familie, Freunde wie auch Nachbarn sehen das ganz genauso – niemand würde unter diesen Umständen den Hund behalten. Sie fanden es bereits schon sehr lobenswert, dass die Familie überhaupt einen Hund aus 2. Hand übernommen und es versucht hat… aber was nicht geht, geht nicht – sie hätten es auch ganz genauso gemacht.
 
Kommen wir wieder auf das „Familienmitglied“ zurück – ich frage mich bei solchen Schilderungen immer wieder, wie die Familie die Situation erlebt und gemeistert hätte, wenn das Familienmitglied nur 2 Beine gehabt hätte:
 
Kläuschen, das Kleinkind der Familie, ist ein Wunschkind – man wollte schon immer eine große Familie haben und als sich Baby Nr. 3 ankündigte, war die Freude groß. Leider währte sie nicht lange, denn Kläuschen ist viel anstrengender als die anderen beiden Kinder damals in diesem Alter und verlangt viel Aufmerksamkeit. Zudem fängt Kläuschen nun an zu krabbeln und nervt bzw. stört die anderen Kinder beim Spielen – immer will er „dabei“ sein, mitspielen und möchte, dass man sich um ihn kümmert. Die Mutter ist schon ganz verzweifelt, denn die beiden älteren Kinder kommen jetzt schon zu kurz und beklagen sich zudem über die Störungen von Kläuschen. So hatte sich die Mutter das nicht vorgestellt – es war doch immer so harmonisch und nie gab es Probleme bei den ersten beiden Kindern… und nun so etwas!
 
Jedes Mal erklärt sie Kläuschen, dass er „das“ nicht darf, aber er hört einfach nicht zu. Da die beiden anderen Kinder schließlich zuerst da waren und nichts dafür können, will man sich nun von Kläuschen trennen – er ist einfach nicht das „richtige“ Kind und schließlich habe man schon alles versucht. Bei den anderen Kindern gab es nie Probleme – als Eltern ist man erfahren und weiß, was zu tun ist – und wenn dies bei Kläuschen nicht zum Erfolg führt, kann es nur an Kläuschen selbst liegen. Die Eltern erzählen ihren Freunden von ihrer Entscheidung, Kläuschen wieder abzugeben… und sind entsetzt! Anstatt Mitleid und Zuspruch zu hören, wird ihnen deutlich zu verstehen gegeben, dass sie sich als Eltern mehr Mühe geben müssen; dass jedes Kind ein Individuum sei – mit Stärken und Schwächen – und dass es schließlich ihre Aufgabe als Eltern sei, diese schwierige Phase durchzustehen und sich ggf. Rat und Unterstützung bei der Elternberatungsstelle zu holen. Dass dies eine ganz „normale“ Phase sei, die jede Mutter früher oder später durchstehen muss und das es noch viel schwierige Herausforderungen geben werde, bis das Kind volljährig ist…
 
NIEMAND käme auf den Gedanken festzustellen, dass Kläuschen „schuldig“ ist oder dass man als Eltern „alles“ getan hat, oder doch?????
 
Als Hundehalter sind auch wir immer „Hunde-Eltern“ – nur wir können Entscheidungen treffen und haben auch die Möglichkeiten, Konsequenzen einzufordern. Wir stellen „Mensch & Tier“ ganz bewusst NICHT auf eine Stufe, aber…. es hilft zu verstehen, dass ein Hund genauso wie ein Kind auf unsere Hilfe angewiesen ist, um sich in unserem Lebensumfeld einzufügen und dass wir alleine für Folgen und Konsequenzen verantwortlich sind. Und wenn man diesen Leitgedanken einmal verinnerlicht hat, dann weiß man: der Hund KANN niemals schuld sein, denn es fehlt ihm an der dafür nötigen „Schuldfähigkeit“.
 
Ich persönlich wünsche mir schon seit langem, dass betroffene Hundehalter eine Möglichkeit für sich finden, „über den Tellerrand“ zu schauen… zu verstehen, dass „alles“ was aus ihrer Sicht für sie selbst möglich wäre, eben nicht automatisch „alles“ ist, was getan werden kann. Und dann erst zu entscheiden, ob es nicht doch mehr Möglichkeiten gibt, „mehr“ zu tun…
 
Und ich wünsche mir mehr Engagement von „Unbeteiligten“… dass sie durch ihren sicherlich gut gemeinten, aber wenig zielführenden „Zuspruch“ NICHT den Eindruck stützen, die Abgabe eines Tieres ist eine lapidare,  jederzeit nachvollziehbare Angelegenheit ohne Alternativen…
 
Denn auch diese Abgabefälle sind Realität, die alltägliche… so geschehen gestern, alles an nur einem Nachmittag:
 
Da wird der Hund aus „zeitlichen“ Gründen abgegeben, weil man „jetzt“ wieder Arbeit hat. Die Gespräche mit der Familie zeigen, dass die Frau die letzten 3 Monate arbeitslos war und meinte, dies sei ein geeigneter Zeitpunkt für die Adoption des Hundes… Weitsicht – Fehlanzeige!
 
Ein Hund wird aus finanziellen Gründen abgegeben… wir erfahren in einem Telefonat, dass er auch sofort „weg“ muss, dann nächste Woche fahren sie in den Urlaub und können den Hund nicht mitnehmen. Geld für den Urlaub – selbstverständlich.
 
Eine Frau ruft an – sie interessierte sich für eine Labrador-Mix-Hündin. Im Gespräch erfahre ich, dass sie ihren 16 Monate alten Labrador-Rottweiler-Mix-Rüden, den sie vor 2 Monaten an einer Bushaltestelle gekauft hat, gerne gegen diese Hündin eintauschen möchte. Ihr Rüde mag ihre 4-jährige Tochter nicht, bleibt immer noch nicht alleine und mobbt andere Hunde. Außerdem sei sie wieder berufstätig und hat nicht viel Zeit für den Hund… der Mangel an Verantwortungsbewusstsein VOR der Adoption eines Hundes – HIER ist er!
 
Ein weiterer Notfall gestern Nachmittag: ein 4-jähriger Jack-Russel-Rüde soll eingeschläfert werden – alle halbe Jahre schnappt er nach den Kindern und der Schwiegermutter, und dass, obwohl man selbst den Kleinkindern gezeigt hat, wie man einen Hund per Alpha-Wurf „unterwirft“... Sie weigern sich, ihn in eine Pflegestelle zu geben (die wir ihnen angeboten haben) – für sie kommt nur das Einschläfern in Frage – schließlich haben sie Ahnung von Hunden, immer schon welche gehabt – diesen Hund könne niemand mehr „hinbiegen“… Eine engagierte Tierschützerin vor Ort macht den Tierarzt ausfindig, der den Hund einschläfern soll – dort tauchen die Besitzer erst gar nicht mehr auf… am Abend ist der Hund „weg“….
 
Ohne Zweifel gibt es aber auch „wirkliche“ Gründe für eine Abgabe…. während meiner Tätigkeit für die Kleine Arche Straelen lernte ich Kimba kennen. Kimba, dessen Herrchen an Krebs erkrankte und bedingt durch ununterbrochene Krankenhausaufenthalte nicht mehr für ihn sorgen konnte. Am Tag der Abholung von Kimba bestand er darauf, dabei zu sein und entließ sich selbst für einen Tag aus dem Krankenhaus, um sich von Kimba zu verabschieden. Letzte Woche ist er seiner schweren Krankheit erlegen… Wenn es einen unverschuldeten Abgabegrund gibt… DAS ist er!
 
Bei der unermesslichen Vielzahl der auch weiterhin ansteigenden Abgabementalität eint die große Mehrheit der Gründe allerdings vorrangig nur eins: Mangelerscheinungen! Ein Mangel an Verantwortungsbewusstsein, der bereits bei der Auswahl eines Hundes beginnt und sich bei der vermeintlichen „Problembewältigung“ fortsetzt. Ein Mangel an Bereitschaft, den eigenen Lebensrythmus zeitweise umzustellen, falls erforderlich. Ein Mangel an Durchhaltevermögen, denn oftmals ist schnell nicht schnell genug. Ein Mangel an Kompromissbereitschaft… denn der Traum vom  „Traumhund“ soll wahr werden und die Realität erweist sich als störend.
 
Ein Grund, warum WIR uns ein Werturteil über so genannte Abgabegründe erlauben, liegt darin begründet, dass wir sie aufnehmen… diese „bissigen, ängstlichen, verhaltensgestörten, kinderhassenden, angst-aggressiven“ Hunde ... Und stellen fest, dass kaum ein Hund das ist, was man(n) oder Frau ihm nachsagte.
 
Da gibt es eine 3-jährige Berner Sennenhündin, Lucy (um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen), die sich nach den Einschätzungen eines belgischen Tierheims so "traumatisiert und ängstlich" zeigte, dass man keinerlei Vermittlungsmöglichkeit für sie sah und schon die letzte Alternative in die engere Wahl gezogen wurde…
 
Nach einer Not-OP der Kleinen Arche Straelen und dem anschließenden Umzug zu uns zeigte sie sich vom 1. Tag an offen, zutraulich, menschenbezogen, verspielt und unternehmenslustig – wir haben viele Videos „gedreht“, denn so richtig glauben wollte es uns niemand. Alles, was diesen Hund verunsichert hatte, war das hektische, laute Tierheimleben und eine ebensolche Körpersprache. „Korrigieren“ musste man als menschlicher Partner bei diesem Hund rein gar nichts…. sie brauchte lediglich einen „Tapetenwechsel“ in ein ruhigeres, einfühlsames Umfeld.
 
Ich hätte schon längst kapituliert – vor der Unkenntnis, der Leichtfertigkeit, der Sorglosigkeit, der Unvernunft.. wenn es da nicht die wahren, netten, sympathischen WIRKLICHEN Hundefreunde gäbe! Diejenigen, die ohne WENN und ABER bereit sind, ihr neues Familienmitglied in ihrem Leben zu begrüßen; die VOR der Entscheidung „pro Hundeadoption“ im Kreise ihrer Familie gemeinsam überlegt und abgewogen haben, ob, wann und vor allen Dingen WELCHER Hund zu ihnen, ihrer Lebensführung passt. Dem Hund uneingeschränkt Liebe, Geduld und Zeit widmen, bis er sich in seiner neuen Welt eingefunden und eingelebt hat. Die mit Optimismus, Konsequenz und Durchhaltevermögen kleine und auch größere Probleme meistern. Diesen Hundeliebhabern gilt mein Respekt und meine Hoffnung, dass es von dieser Spezies Mensch ausreichend Exemplare gibt, um das Elend der Hunde in Not auch in den kommenden Monaten und Jahren ein wenig zu mildern.
 
Daran glaube ich fest.

zurück

 

Bei der unermesslichen Vielzahl der auch weiterhin ansteigenden Abgabementalität eint die große Mehrheit der Gründe vorrangig nur eins: Mangelerscheinungen!