Hundehilfe
Eifel
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Ein Karriereleitfaden...
Menschen sind doch die besseren Hunde - verstehen wir sie doch besser als sie selbst es vermögen. Denn wir lesen Bücher und Verhaltensstudien, nehmen an Vorlesungen teil und besitzen als Mindestqualifikation schließlich jahrelange Hundeerfahrung und manchmal sogar einen Hundeplatz – der ultimative null Komma nix Weg zum Hundeversteher mit Besserwisser-Garantie, und dies alles, obwohl wir lieber im warmen Büro sitzen und Kreuzworträtsel lösen, als uns den kalten Hintern auf einer langen Transhumanz abzufrieren.
Da die meisten von uns mit Hunden aufgewachsen sind, mit ihnen problemlos parlierten, noch bevor wir sprechen konnten und bereits pränatal im Mutterleib überlegten, wo und wann wir an der nächsten Langzeitstudie über wildlebende Caniden teilnehmen werden (sobald wir laufen können würden), stellt sich die Frage: wie wird man eigentlich Hundeversteher… ganz konkret? Und warum überhaupt? Nun ja, jeder sollte ein wenig Hundeversteher sein, kann nicht schaden, denn wer will schon als hündischer Analphabet durch´s Leben ziehen…?
Nun, wie meistens im Leben, orientiert man sich an auserkorenen Vorbildern. Ob John Wayne, Elvis Presley oder Meister Proper… irgendwo gibt´s immer einen, den man toll findet. Manchmal steht dieses Vorbild auch einfach nur auf dem Hundeplatz rum und schnauzt in Richtung devoter Hunde und debiler Halter… einfach toll. Falls man diese Spezies nicht bereits daran erkennt, weil sie mittig auf dem Hundeplatz stehen (der Bäcker von nebenan wird es wohl kaum sein…), dann spätestens im Supermarkt oder auf dem Trimm-Dich-Pfad, denn sie kommen in der Regel zur Selbstidentifizierung selten aus ohne witterungsbeständige Jackenaufschriften, Logos mit Denkanweisung und Abkürzungen (neu-amerikanisch: acronyms) zur Anregung der linken, limbischen Gehirnhälfte ihrer Kunden in spe zwecks kreativer Lösungs- und Deutungsfindung besagter Äkronüms – sie meinen das aber nicht abwertend, sondern möchten interessierten Hundehaltern nur eine Chance geben, den eigenen IQ zu hinterfragen. Das ist sehr wichtig, dennoch bleibt die Frage: wieso?
Ein guter Hundeversteher zeichnet sich verlässlich dadurch aus, dass er viele Fragen beantwortet und für jede Antwort neue Ratlosigkeit zurücklässt. Ein James Bond für Hundehalter, sozusagen. Nur dass aus der mageren (00)7 eine dreistellige Erfolgsziffer wird, auf die der hilfesuchende Hundehalter auf jeden Fall achten sollte: preist der Hundetrainer seine Erfolge mit weniger als 100% an, taugt er nix – Finger weg! Diese Eigenüberzeugung ist natürlich nur zu einem entsprechenden Stundensatz erhältlich – Qualität hat schließlich ihren Preis. So darf der interessierte Hundehalter in Ermangelung eigener Lagerfeuererfahrung mit hintergründigem Wolfsgeheule während der Sommerferien oder weil er nicht das Glück hatte, mit ihnen im heimischen Busch um die Ecke aufzuwachsen, erfahren, dass er ein Raubtier besitzt und darauf gefasst sein muss, dass ihm morgen das eigene Haus nicht mehr gehört, weil sein Hund mit dem Notar auf Du & Du ist und eine eigene Signatur besitzt. Dumm gelaufen…. manchmal ist Hund aber auch gnädig und konfisziert lediglich das lederbezogene Inventar. Somit gehören Kamin-Nippes, der selbst-gehäkelte Klo-Papier-Halter und der Wackel-Dackel auf der Autorückbank noch immer dem Hausherrn… und das ist gut so! Hauptsache, man hat ein Dach über dem Kopf... Bescheidenheit ist eine Tugend, derer man sich als Halter eines Raubtieres regelmäßig erinnern sollte!
Früher… ach früher, da war alles ganz anders. Ein Hund wurde nur dann angeschafft, wenn er sich sein Brot auch buchstäblich verdienen konnte. Einen Nutznießer ohne Nutzen – den fütterte schließlich kein Bauer, kein Schäfer durch. Hund schlief im Schuppen (die komfortable Lederkudde war seinerzeit noch nicht erfunden), auf dem Boden, manchmal mit – meistens ohne Dach über dem Kopf. Die Hand streichelte selten, meistens tat sie anderes… und das Hundeleben endete, wie es begann - oftmals unbemerkt und verlassen. Wahrlich ein Hundeleben. Zwischen Geburt und Tod lag nur Arbeit – zu dieser Zeit war auch Lassie nur ein Hund, der Agility nicht buchstabieren vermochte und vor der geschlossenen Dose Hundefutter ohne Medienpräsenz verhungert wäre, weil er, pardon sie, den Nippel nicht durch die Lasche ziehen konnte.
Und somit ist die Frage schnell geklärt, was hat sich geändert, dass – heutzutage - Fiffi Fleisch aus der Plastikpackung mit Petersilie verziert einem ordentlichen Happen aus der Abteilung „lebendiges Jagen“ vorzieht? Und lieber bunten Hindernissen Meter für Meter abtrotzt, anstatt mal einem ordentlichen Job nachzugehen? Oder die Schlüsselgewalt besitzt und Stundenpläne und Hausaufgaben an seine zweibeinigen Mitbewohner verteilt…?
Nun, man weiß es nicht genau, aber das hindert niemanden daran, weltumspannend und querbeet zu spekulieren. Ganz oben auf der Liste die Themen Dominanz und Rangordnung. Manche Trainer bieten so hilfreiche Demonstrationen an wie das menschliche Markieren über der Duftmarke ihres Hundes (als Frau ist man da klar im Nachteil...) oder das Trainieren der hündischen Mimik in Form von Knurren oder Zähne zeigen, falls man als Mensch mal wieder mit einem Autoritätsverlust zu kämpfen hat. Ich finde, wir sollten dies auf jeden Fall in Betracht ziehen, auch im zwischenmenschlichen Bereich, und ggf. sogar um weitere Kommunikationshilfen erweitern. Vielleicht um ein menschliches Pföteln, wenn wir gerade mal wieder Appetit auf ein Bier haben oder das Aufreiten, falls der Firmeninhaber unbedingt Chef spielen will… vielleicht ein wenig aufdringlich und plump, aber man könnte zur Entschärfung nur 1/3 der eigenen (ggf. sogar dritten…) Zähne zeigen und dabei beschwichtigend mit den Ohren wackeln - wäre doch eine prima Übung, damit es später auch mit dem eigenen Hund klappt.
Und da wir Menschen neben losen Körperteilen auch noch ein Mundwerk unser Eigen nennen, wollen wir, wenn wir schon ein Sprachvermögen besitzen (auch, wenn es nicht immer im Einklang mit der vorherrschenden Grammatik und sonstigen Formvorschriften harmoniert, wie auch dieser Beitrag beweist...), es auch nutzen. Das ist verständlich. Man möchte beeindrucken durch einen Redefluss, mitunter feucht, und wenn uns schon die Mitmenschen nicht beachten oder gar verstehen, dann muss eben der Hund dran glauben. Wo er doch alles versteht ungeachtet des falschen Dativ(s) oder Genetiv(s), oder haben Sie schon mal gesehen, dass ein Hund belehrend sein Pfötchen hebt und Frauchen milde nachsehend auf den richtigen Kasus hinweist? Ich persönlich nicht – aber das muss ja nichts heißen….
Falls sowohl verbale wie auch non-verbale Kommunikation nicht zum gewünschten Ergebnis führt (Hundeversteher sind auch nur Menschen…), gäbe es da noch die „Tierkommunikation“ – die etwas andere, weil übermenschliche Art der Unterhaltung. Wie sie funktioniert? Ganz einfach – der Hundeversteher sendet mikrokosmische Gefühlsstrahlen in die Stratosphäre, welche vom Objekt seiner Begierde dank der hohen emotionalen Fernverbindung (ob ein großes dt. Telekommunikationsunternehmen hier wohl mitverdient…?) sofort aufgesogen werden und mittels unkündbarem Dauerdraht einmal einen richtigen Kaffeeklatsch erlauben – das kann man bzw. Hund die Seele baumeln lassen und mal so richtig abchillen – das tut gut! Und am Ende weiß der Tierkommunikator, wie schlimm die Hundekindheit war und dass eines der 10 vorherigen Herrchen gelbe Nikotinfinger hatte und noch heute an Fußpilz und Reizdarm leidet. Das ist doch schon mal was – das kann sonst keiner! Wenn man es jetzt noch schafft, die Ursache für den Reizdarm von Herrchen mit den Ängsten des Hundes im Hier und Jetzt in Einklang zu bringen und mit einem erfolgreichen Therapieansatz zu verbinden, das wäre doch verdammt klasse, oder? Dumm nur, wer als verzweifelter Hundehalter kein Fax oder Geld für eine Briefmarke hat und in einem anderen Bundesland als der Tierkommunikator lebt und damit nicht in fußläufiger Nähe zwecks Überbringung eines Photos seines Liebsten – für den sind diese Dienste selbstverständlich unerreichbar. Schade auch…
Kommen wir zu meinen persönlichen Favoriten, mit denen sich jeder Hundeversteher, der etwas auf sich hält, umgeben sollte: die Akronyms. Ich liebe sie…. sorgen sie doch auch in depressiven Zeiten für geistreichen Anspruch und Zerstreuung beim Knobeln über ihre Sinndeutung. Sie wissen schon, so was wie S.O.S. (save our souls) oder EBIT (earnings before interest and tax – was gleichbedeutend ist mit der Knete, die Sie verdienen, bevor der Fiskus Ihnen in die nackte Tasche greift) - nur eben mit Hundebezug. Wenn sie dann auch noch mit einem eingetragenen Markenzeichen geschützt und einem farblichen feng-shui-Konzept unterlegt werden, ehrlich, dann kann auch schon mal die Welt ohne Arche Noah untergehen und man fühlt sich trotzdem wohl in seiner Haut. Und gerät der Markeninhaber doch einmal ins Stottern bei der Erklärung der inhaltlichen Worthülse (wer kann schon alles wissen, aber gut klingen sollte es schon…) kann man diesen Erklärungsnotstand auch getrost versenken – N.B.N.F. sozusagen: no brain – no fun.
Aber es geht natürlich auch noch besser, immer dann, wenn besagte Akronyms mit einem weiteren Attribut umhüllt und gepflegt werden, wie z.B. „welteinzigartig“. Da gerät man als Durchschnitts-Hundeversteher der Marke OISF (ohne intelligente Selbstfindung) schnell ins Grübeln: wie finden die zahlreichen, nach eigenen Dafürhalten so viel beschäftigten, weil (aus)gebuchten Therapeuten noch Zeit, um den Erdglobus zu reisen und im hintersten Winkel unser aller Erde nach Hundemenschen Ausschau zu halten und deren Trainingssystem mit dem ewig ihren abzugleichen...? Ich frage mich, reicht tatsächlich ein (in Worten: ein) Therapeuten-Leben aus, um täglich unzählige, von ihnen und ihrem Wissen abhängige Hundehalter nebst Hund zu therapieren und gleichzeitig auf Wandersfüssen von Nord- nach Süddeutschland, von Spanien nach Tschechien und dann im Sauseschritt flugs nach Italien und Österreich zu wanken…? Wann bleibt da noch Zeit, mit dem Flieger in die USA, Afrika und Timbuktu zu reisen? Oder mit dem Schnellboot? In 80 Tagen um die Welt sozusagen… hat ja schon einmal geklappt, warum nicht auch, um die inländisch gefährdete, einzigartige Weltneuheit vor einem feindlich-ausländischen Plagiatismus zu schützen? Man weiß ja schon lange, dass Italiener, Spanier, ja selbst die Amerikaner alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Von den heimischen Deutschen ganz zu schweigen!
Der Hund an sich staunt wahrscheinlich Bauklötze angesichts dieser Wortkurzführer, mit denen er therapiert werden soll. Und wahrscheinlich auch über die immer weiter wachsende Anzahl von artgerechten Beschäftigungsmöglichkeiten und freut sich wie ein Schneeleopard in der Sahara über die Abwechselung in Form der variierenden Hindernisse mit wechselnder Farbgebung. Und weil selbst das irgendwann einmal langweilig wird, gibt´s jetzt sogar ein Longiertraining. Für Hunde… richtig! Prima Sache, finde ich. Man kann sich als Halter bewegungsarm in die Mitte eines Kreises stellen, hat alles fest im Blick und lediglich die Stimmbänder und der Mittelfinger werden bemüht, um den Hund wie Black Beauty die Kreisaußenlinie flankieren zu lassen. Und damit der Hund sich nicht fragt, ob das wohl Sinn macht, darf er hin und wieder auch mal „platzen“ oder „sitzen“…. oder einfach nur dumm gucken. Auf jeden Fall strahlt der Mensch in der Mitte immer; der Hund ist müde und fragt sich sicherlich, wovon… egal! Es geht einfach nichts über gemeinsame Interessen, die beiden Parteien gleichermaßen gefallen und sie geistig wie körperlich auslasten.
Kommen wir nochmals zurück auf die Sprache, die uns Menschen mit den Hunden verbindet. Der menschliche „DuziDuzi“-Singsang… warum nicht? Auch wir konnten uns im frühkindlichen Stadium dieser Kommunikationsform nicht entziehen… und? Hat es uns geschadet? Nein, im Gegenteil – wir fanden es damals im Eigenexperiment so wohltuend, dass wir es heute gerne an unsere Kinder und Kindeskinder weitergeben (und auch nicht aufhören, wenn die kleinen Pupser laut losbrüllen; dann erst recht…), weshalb also nicht auch an unseren Hund? Schließlich ist auch er einer unter Unseresgleichen. Unter Hunden herrscht oftmals ein so hurmorloses Einerlei, dass es hier dringendst einer emotionalen Bereicherung bedarf. Auch ein bisschen spirituelles Yin & Yan kann schließlich nicht schaden. Und die richtige Interpretation liefern wir gleich frei Haus; wir sind ja nicht kleinlich oder geizen mit Erklärungen, wir Menschen. Von Treue und Dankbarkeit, von „der-weiss-genau-dass-er-das-nicht-darf“-Einsichten bis hin zu „er-liebt-mich-so“-Schwüren. Falls Hund sie trotz all unserer uneigennützigen Mühen dennoch nicht versteht oder gar missversteht, liegt´s ohne Frage am Hund, am „falschen“… Da fühlt man sich doch als Hundeversteher gleich genötigt, auf den nächst besseren (Hund) zu hoffen. Nach dem Hund ist schließlich vor dem nächsten… meistens jedenfalls.
Es sind diese Erlebnisse, die uns Hundeversteher immer wieder überdenken lassen, uns zwingen in unser innerstes Ich zu gehen (das Gute liegt oft ganz nah und der Weg ist für manch einen kürzer als er denkt…), zu reflektieren, wie wir unser immenses, universelles und einzigartiges Fachwissen kompetent an den 08/15-Hundehalter weitervermitteln können. Gott sei Dank müssen wir nicht lange suchen – es bietet sich uns ein Meer an Möglichkeiten an. Allen voran natürlich der Wolf, er ist schließlich an allem schuld. Hätte er zu seiner Zeit bereits gelernt, dass man bei Aldi eine Portion Fleisch mit grünem Feinblatt unter 1,00 Euro ergattern kann und hätte seine Nase ihn unbeirrt zu diesen Ort der preisgünstigen Sättigung im tiefsten Kanada geführt, dann wäre uns Hundehaltern vieles erspart geblieben: Zäune, die unsere Hunde vom Jagen abhalten, Leinen und Halsbänder, Stimmband-OPs (das Schreien nach dem eigenen Hund irritiert mitunter mehr den Hasen als den Jäger selbst…) und die vielen schönen Ausreden, die wir uns mühevoll erarbeitet und archiviert haben, jederzeit abrufbar. Sie sind auch die einzigen, die zuverlässig kommen, wenn man sie ruft… das find ich prima und sehr ermutigend.
Blöd nur, dass mit einem Aldi-Wolf auch gleich eine ganze Marktwirtschaft den Bach runter gehen würde. Man stelle sich vor: keine Anti-Jagdkurse mehr; kein Halti, keine Abgabehunde mehr, leere Tierheime, arbeitsloses Tierheimpersonal und Tierbedarfsverkäufer ohne Kunden… das wäre doch auch nichts, oder? Freuen wir uns also und sind dankbar für das Erbe des Wolfes und die vielen Möglichkeiten der persönlichen Horizonterweiterung und Arbeitsplatzsicherung – sei es nun als Hundehalter oder –trainer, Fachverkäufer oder Kuddenhersteller – wir haben doch alle was davon!
Und falls man kein Geld für einen Hundeprofi hat, tut´s auch die Hundefreilaufwiese als „meet & greet“ – Spielplatz für die Erwachsenen. Hier tauscht man sich aus – hier ist man Mensch und findet Verständnis und Gegenliebe. Die Fähigkeit, sich selbst als Halter vom Gegenteil seiner gemachten Erfahrungen zu überzeugen, ist wohl unter diesem Aspekt mehr als nachvollziehbar: Der eigene Hund hört immer gut und zuverlässig, außer wenn…/ Das hat er noch nie gemacht, außer bei Tante Käthe…/ Er ist immer nett zu Menschen, wenn er sie mag… / Er verträgt sich mit allen Hunden, wenn die Chemie stimmt… Klar möchte er nur spielen (oder den anderen mal so richtig einen auf den Deckel geben), was für zahlreiche Hundeliebhaber in vielen Fällen ein und dasselbe ist.
Manchmal muss man Hundeversteher aber auch ein klein wenig in Schutz nehmen; sie mühen sich redlich und dies eben auch bei Hundehaltern, denen man anstatt Erklärungen lieber raten möchte, ihren Hund präventiv zu verschenken oder ihre Geburt rückgängig zu machen (die des Hundes, nicht des Halters). Manche Grenzen können auch Hundeversteher nicht überwinden – sie sind zu übernatürlich. Gutgemeinte Bestrebungen, Aufklärung auch VOR dem Hundekauf unter´s Volk zu bringen, scheitern regelmäßig an der „Lassie“-Euphorie. Was der konnte, kann Kommissar Rex schon lange – wieso eigentlich nicht dann auch meiner…? scheinen sich viele Hundehalter in spe zu fragen. Recht haben sie und wenn man dann noch überlegt, wieviel Gage man als Hundehalter einheimsen könnte – da würde auch ich mit der Antwort ein wenig warten wollen. Man weiß ja nie, nothing is impossible.
Später ist immer noch früh genug, um über Erziehung nachzudenken. Das möglichst unauffällig-beiläufige „DER TUT NIX… will nur spielen“ verkommt irgendwann zum gelebten Selbstzweck eines jeden Halters, denn wer will sich schon ständig die Meckerei der anderen um die Vorschriften von Leinenzwang und Brutzeit anhören – man weiß doch schließlich selber am besten, dass Fiffi jagt, aber zu dumm ist, den Hasen mit Todesfolge zu erschrecken oder seiner hündischen Zufallsbekanntschaft das Öhrchen bei unstimmiger Chemie allenfalls pierct, aber nicht beherzt apportiert. Gegenteilige Erfahrungen lassen sich souverän mit einem „DAS hat er ja noch niiiie getan“ – Pseudo-Erstaunen entschuldigen, gerne auch mit dem Hinweis, dass das gegnerische Ohr eh schon sehr ramponiert aussah. Und auch hier kann man unterschiedliche Haltereigenschaften im Selbststudium des 1. Semesters als angehender Hundeversteher beobachten und bestaunen: die einen haben den Ruhepuls einer Sandviper im Tiefkühlfach, nichts worüber es sich aufzuregen oder – Gott bewahre – handeln lohnt; schließlich machen die Hunde das unter sich aus und was allenfalls noch für die Halter zu klären bleibt und den Puls in den Lebendbereich zurück katapultiert, ist die Frage, wo der nächste Tierarzt ist und wen Blutflecke auf der Rückbank auf der Fahrt zum selbigen am wenigsten stören. Kleine Randbemerkung aus eigenen Beobachtungen: Diese Frage lässt sich bei Uneinigkeit der betroffenen Halter und Hunde auch gerne im "Schnick-Schnack-Schnuck"-Verfahren klären.
Über uns Tierschützer, die sich ja auch unentwegt in der „HuSchu“-Szene verwirklichen wollen, gäbe es auch noch ein Wörtchen zu verlieren. Man muss zu allererst einmal die Intelligenz dieser Leute anzweifeln, denn sie wollen eigentlich nie Geld, machen alles ehrenamtlich und tragen auch noch die eigenen Ausgaben. Schön dumm – aber selbst Schuld! Die einen stoßen ebenfalls ins Horn des bösen Wolfs; die anderen scheinen die postnatalen Erlebnisse des Hundes ultrahocherhitzt und daher ohne Verfallsdatum als Dauergrund für Problemverhalten bis in die ewigen Jagdgründe zu konservieren. Warum sich als Hundehalter/Pflegestelle fragen, was man für seinen Hund tun kann, wenn doch der ausgestreckte Mittelfinger angesichts des eigenen passiven Selbstbehalts in Richtung Ausland, Massenzüchter oder inkompetente Vorbesitzer als Grund ausreicht, den Schuldigen zu finden, um dann gemeinsam mit dem Hund mitzuleiden unter dem Deckmantel des Tierschutzes. Diese Menschen im Samariter-Look verstehen jeden Hund, leiden jeden einzelnen Schmerz höchstselbst mit und verhelfen dem TEMPO-Imperium zu immer neuen Rekordumsätzen. Manchmal reicht es scheinbar aus, sich selber schlecht zu fühlen, damit es einem besser geht… das leidende Tier wird das ganz bestimmt verstehen.
Bei der Vermittlung geht das Gefühlschaos dann auch munter weiter. Man sucht neue Familien, die sich mit den eigenen Vorstellungen, der eigenen Leidensfähigkeit identifizieren können; armer Hund sucht mitfühlendes Zuhause… oder so ähnlich. Kommen dann die Interessenten und können eine intakte Tränendrüse vorweisen, ist die Sache perfekt – warum auch nicht? Schließlich müssen die anderen 200 irgendwas Hunde auch noch untergebracht werden, da reichen intelligentes Mitleid und das „Gutmensch-Syndrom“ völlig aus. Intelligenz soll ja auch im Herzen wohnen, habe ich irgendwo gelesen. Spätere Photos aus dem neuen Heim zeigen dann auch schon mal einen hochgestressten Hund mit Pflaster und Verband; der dumme Hund ist vor Angst weggelaufen, als völlig überraschend und unvorhersehbar die Sylvester-Nacht anbrach (mitfeiern wollte er noch nicht…), direkt auf die Autobahn. Dann ist man als Halter so erleichtert, dass er bis auf ein paar Brüche und einen weiteren tiefen Schock für´s Leben alles unbeschadet überstanden hat. Bis zum nächsten Mal… irgendwann versteht er schon, dass Böller die bösen Geister verscheuen sollen – vielleicht auch seine. Falls nicht, geht das Gemeinschafts-Heulen bei Abholung aus dem Fundbüro eben wieder auf´s Neue los…. man darf eben alles nicht so eng sehen im Leben; Hauptsache, das Hundeherz schlägt noch getreu dem Motto: ich existiere, also lebe ich…
Die individuelle, manchmal sogar grundsätzliche Abneigung mancher Hundehalter, sich mit ihrem Hund selber zu beschäftigen, zu erziehen, ihn zu fördern und zu schützen, ihn „Hund sein“ zu lassen ohne Gefahr für Nachbar´s Mieze, Karlchens Spielzeug oder Herrn Meiers Autobahnausflug, scheint dem Bestreben nach persönlicher Inputminimierung irgendwie im Wege zu stehen. Warum nur? Gerne möchte man da schon mal der Industrie vorschlagen, ein Tamagotchi in Lassie-Lebensgröße und ebensolchen Genen zu erfinden… nur eben mit Ausschaltknopf für die kurze Verweildauer zwischen dem Erklingen des Morgenweckers und dem Abendprogramm der Desperate Housewives – spätestens jetzt stört der Hund die menschlichen Lebensziele und die PRO7-Sequenz und lässt es an einer medialen Wertschätzung fehlen. Als Deluxe-Variante dieses Hunderoboters käme natürlich auch ein Selbstzerstörungsmodus in Frage, immer dann, wenn man mit dem Hund so gar nichts anfangen kann und die Tierheimplätze wieder alle belegt sind. Das lässt die berechtige Frage zu, ob es nicht sinnvoller wäre, einmal konkret und unvoreingenommen über Einweg-Hunde nachzudenken. Anschaffen, ausprobieren, entsorgen. Ohne schlechtes Gewissen. Wieso ist da noch niemand drauf gekommen…?
Aber zurück zum Motto dieses aufklärenden Beitrags: SIE wollen jetzt auch ein Hundeversteher werden? Prima! Schreiben Sie mir oder rufen Sie mich an - hier werden Sie geholfen. Terminvereinbarung nach Absprache – bitte bringen Sie Ihr einzigartiges, weltneuheitliches Akronym mit und eine bei Sonne und Regen gleichermaßen gut sichtbare Jacke mit druck-imprägniertem Gesichtsportrait auf der Rückseite (falls man Sie von vorne nicht erkennt…)… alles andere macht keinen Sinn!
In diesem Sinne
Ihre
Hundeschule ARRGH.UMPF.GRRR
(eingetragenes Markenzeichen, Bestandsschutz auch in Swasiland, Klauen zwecklos und verboten…)