Hundehilfe Eifel

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Bin ich "Hund" genug für meinen Hund?

Die Schlagwörter der fortschreitenden, modernen Hundebetrachtung - sie sind geprägt von Begriffen, die eigentlich einer rein innerartlichen Beziehung und Kommunikation entspringen. Hunde unter sich - das sprichwörtliche Wolfs- oder Hunderudel und seine einzelnen, in direkter Linie verwandten Mitglieder – ein Leben mit Hierarchien, Rudelstrukturen, Aufgaben und Regeln - es lässt sich mit einem Lebensgemisch aus Mensch & Hund und dem daraus entstehenden „Mensch-infizierten“ Miteinander kaum noch vergleichen.

Denn im Gegensatz zur reinen Hundewelt ist heute schon lange nichts mehr so, wie es früher einmal war:

Anstelle eines zig Quadratkilometer großen Territoriums, auf das ein einziges Rudel Anspruch erhebt, teilen sich Hunderte Hunde in der unmittelbaren Nachbarschaft die Strasse, den Stadtwald, den Laternenpfahl - kurzum: ein Mini-Territorium und jeder möchte es unbedingt für sich beanspruchen, es als seines markieren. Revierverhalten und territoriale Auseinandersetzungen mit Fiffi von nebenan und Rambo von gegenüber vorprogrammiert. Ein Rückzug ins eigene Revier – unmöglich, denn es gibt es nicht (mehr) angesichts einer Hundeüberpopulation im Verhältnis zu unbesetzten Territorien. Hundekommunismus in Reinform – alles gehört allen…

Die „Arbeit“ ist knapp, anstatt fordernde und körperlich wie geistig anspruchsvolle Jagdstunden mit interaktiver Kommunikation und ausgedehnten Erholungsphasen zum Kräftesammeln nach der Jagd für die nächste, darf der Hund auf der Couch lümmeln und hat nach einem Spaziergang, dessen Höhepunkte er selbst definieren darf oder einer Agility-Stunde erschöpft ins Körbchen zu sinken – selbstverständlich lautlos und für den Rest des Tages.

Anstatt simpler, eindeutiger Hierarchiestrukturen und mitleidslosem Einfordern der Rangordnung untereinander erlebt der Hund als Familienmitglied ein nicht nachvollziehbares Wirrwarr von täglich wechselnden Rechten und Pflichten. Der Begriff des „Spielens“ als Form der Prüfung und „Instandhaltung“ der bestehenden Rudelstruktur verkommt zu einer verbalen Verniedlichung.

Im Hunderudel ist kein Platz für Mitleid, Bevorzugung, Eifersucht, Anerkennung oder Futter für buchstäblich „nix und umsonst“. Es herrscht weder gepflegte Langeweile noch Unterforderung. Und wir Menschen versuchen, diese Welt zu kopieren. Versuch macht klug… oder auch nicht! Der Faktor Mensch in seinem „Rudel“ derjenige, der alle natürlichen Instinkte, Verhaltensweisen, Rangordnungen des Hundes unter seinesgleichen auf den Kopf stellt: Mensch ist eben Mensch und kein Hund!

Der Mensch als Rudelführer? Nehmen wir einmal den täglichen Spaziergang…

In Kanada, Alaska und wo es sonst noch Mutter Natur pur ohne (nennenswerte) menschliche Zivilisation gibt, triff ein Rudel sehr selten auf fremde Artgenossen. Treibt sich ein solches Exemplar dennoch umher, ist es durch die Reviermarkierungen (Urin, Kot) rechtzeitig vor Betreten des fremden Territoriums gewarnt und… meidet es. Kein Hund/Wolf sucht den Konflikt des Konfliktes willen – anders als bei uns Menschen…

Würde ein einzelnes Tier in ein fremdes Territorium eindringen, wäre es eher die Regel als die Ausnahme, dass es vertrieben wird, mitunter sogar getötet. Fremde Eindringlinge – unerwünscht! Das Leittier würde die Gefahr prüfen, erkennen und handeln – er alleine entscheidet in der Regel, wann Gefahr im Verzuge ist (das „Fußvolk“ hat zuvor ordnungsgemäß und zuverlässig die Gefahr gemeldet);  und wie darauf reagiert wird oder ob der fremde Eindringling bereits in respektvoller Distanz seinen „Irrtum“ erkennt und die Flucht ergreift… ein Handeln somit nicht erforderlich ist.

Nun… wir leben nicht mehr in der Wildnis, sondern in Großstätten oder auf dem Lande, mal mit mehr, mal mit weniger viel Zivilisation und deren Auswirkungen. Auch unser Mensch-Hund-Gefüge - ja, selbst die Hund-Hund-Gemeinschaft innerhalb unseres Hausstandes, ist selten in direkter Blutslinie verwandt und zusammen aufgewachsen, wie es der klassische Rudelbegriff verlangt. Und daran muss sich auch ein Hund gewöhnen, lebt er mit uns zusammen. Mitnichten ist es in unserem Interesse, jeden Hund sein (verständliches, natürliches) Urverhalten ausleben zu lassen; jeden Artgenossen oder auch Menschen aus „seinem“ Revier zu vertreiben;  Ernstkämpfe abzuhalten und uneingeschränkt seiner jagdlichen Veranlagung zu frönen.

Jeder unserer Spaziergänge hat somit zunächst einmal immer eine recht brisante Komponente: unser Hund befindet sich in seinen Augen auf bzw. in seinem Territorium, mit seinem Menschen im Schlepptau (meistens jedenfalls) und signalisiert (meistens jedenfalls) ganz klar: mein Territorium – mein Mensch! Wer ist das Leittier? Keine Frage…

Und wenn Hund dann dieser Verantwortung (ob er will oder nicht - niemand hat ihn danach befragt, sondern Kraft Fehlverhaltens des Menschen und/oder seine Führungspassivität dazu gemacht…) gerecht wird und fremde Artgenossen angreift oder einfach „nur“ vertreibt durch endlose Belltiraden mit und ohne Leine, dann wundert´s das Ende der Leine.  Meistens gibt´s dann gratis noch eine wunderschöne menschliche Ausrede dazu: „…er mag nur schwarze Hunde nicht; er mag keine Schäferhunde UND keine Rottweiler; er mag nur Hunde unter 30 cm nicht!“ Wahnsinn, unsere Hunde… Kennerblick für´s Wesentliche mit integrierten Zentimetermaß.

Kein Leittier entlässt seine "Familie“ in (un)bekannte Gefahren oder schickt sie voraus, um etwas zu klären - DAS macht er selbst, denn schließlich ist/will/muss er derjenige sein, der angesichts tagtäglicher Herausforderungen seinem Rudel beweist, dass er in der Tat derjenige ist, der die „Familie“ führen, ernähren, verteidigen, beschützen kann – kurzum: derjenige, der ihr das Überleben in jeder Phase sichert. Oder würden Sie Ihre 10-jährige Tochter vorschicken, wenn Ihnen zwei jugendliche Rowdies mit Schlagstöcken begegnen? („Die tun Dir bestimmt nichts, Chantal-Jeannette, bleib nur ganz ruhig und sag artig Guten Tag… ich komme dann gleich nach, Schätzchen!“) Und – für den Fall, dass tatsächlich „nichts“ passiert… fragen Sie sich nicht dennoch, ob Sie ein „guter“ Vater sind? Ob Ihre Tochter wohl in Ihnen ein zuverlässiges Vorbild, einen Fels in ihrer Brandung sieht und Ihnen zu Recht bedingungslos vertraut…?

Würde man als Mensch mit eindeutiger Drohgebärde auf ein Kind in Begleitung seiner Eltern zustürmen, wären sie dann auch so „cool“? Würden sie abwarten, ob der Angreifer tatsächlich angreift oder nur „so tut“? Und würden sich die Eltern von einer verbalen Versicherung ihres Gegenübers, dass „… das nur so schlimm aussieht, aber eigentlich ganz nett von mir gemeint ist…“ beruhigen lassen? Kaum - es würde keine 5 Sekunden dauern und die Polizei würde noch per Handy über einen irren und gefährlichen Amokläufer informiert werden mit der Bitte, SOFORT etwas zu unternehmen, bevor ein Mensch zu Schaden kommt. Warum dann, können wir uns nicht vorstellen, dass ein körpersprachlich eindeutiges (Hunde)Verhalten auch unseren eigenen Hund in Angst und Schrecken versetzen kann oder ihn in seiner Rolle als Rudelführer herausfordert (und stärkt…)? Und was tun wir? Wir lassen ihn im Stich, weil es zur gepflegten, weit verbreiteten An- und Einsicht gehört, dass „… Hunde das unter sich ausmachen müssen“. Und wenn Hund schon über sein Leben und seine körperliche Unversehrtheit eigene Entscheidungen treffen muss, dann wird er sich diese Verantwortung auch nicht in anderen Dingen des Lebens nehmen lassen. Er wird ggf. die Couch als  Liegeplatz beanspruchen, denn eine erhöhte Lage steht schließlich einem ranghöheren Tier auch zu; er wird betteln und Futter fordern und Sie zum Futterautomaten degradieren; er wird den Gartenzaun verteidigen, die Haustür und ggf. darüber entscheiden, wer Sie besuchen darf… und wer nicht! Und macht ihm diese Rolle Spaß? Kaum - ein Mega-Job, ein endloses Multi-Tasking, das letztendlich beide überfordert: Hund & Mensch. Wie gesagt, nicht JEDER Hund nutzt alle Freiräume, Privilegien und Führungsschwächen aus… aber immer mehr. Die Hilfegesuche von verzweifelten Privatpersonen, die ein neues Zuhause für ihren  Liebling suchen, nehmen unvermindert zu. Selbst die Tierschutzvereinen oftmals angegliederten Pflegestellen bitten in zunehmendem Maße um Umplazierung, weil der Hund ein Leinenmonster ist, sich mit den vorhandenen Hunden nicht "verträgt" oder die Kinder jagt...

Der Grund, warum viele Hundehalter, ob selbst betroffen oder verschont, die grundsätzlichen Hunde"motive" für komplexe Verhaltensweisen nicht nachvollziehen können, liegt nicht zuletzt auch daran, weil eben Hund nicht gleich Hund ist. Behandeln Sie zwei unterschiedliche Hunde (unterschiedlich im Sinne von Rasseveranlagung/Wesen oder aufgrund vorheriger Erfahrungen – positiv wie negativ) auf dieselbe Art und Weise… und Sie erhalten in der Regel zwei unterschiedliche Resultate! Will heißen: auch wenn jeder Hund grundsätzlich tickt wie ein Hund (er ist in 1. Linie doch immer erst ein HUND, und in 2. Linie ein Vertreter einer bestimmten Rasse mit den dazugehörigen "typischen" Wesensmerkmalen... - und nicht umgekehrt!), benötigt nicht jeder Hund die gleiche „richtige“, souveräne und hundsgerechte Führung, um verhaltensunauffällig zu sein bzw. zu bleiben. Es gibt Hunde, da kann man als Mensch buchstäblich alles falsch machen, sie führungslos und dauerverwöhnt durch´s Leben begleiten und dennoch bleibt DIESER Hund ein wahres Schätzchen. Daraus aber abzuleiten (und jedem Spaziergänger und Hundehalter allwissend unter die Nase zu reiben...), dass dies grundsätzlich bei jedem anderen Hund auch so ist, ist SEHR naiv und zuletzt auch gefährlich. Für Hund und Mensch…

Mir persönlich fällt immer wieder im Gespräch mit anderen Hundehaltern auf, dass die Passivität der Halter in Bezug auf das Verhalten ihrer eigenen und auch fremden Hunde ein allgemein akzeptierter Umstand ist, der in der Regel mit „Hundesachverstand“ gleich gesetzt wird. Hingegen wird ein ausdrückliches (aktives) Handeln in Bezug auf den eigenen Hund (Hund hat gelernt, sich zunächst erst einmal am Halter zu orientieren und auf eine Freigabe zu warten, bevor er irgendetwas oder irgendwen kontrolliert/abschnuppert) oder auf den fremden Hund (der heranstürmende, knurrende Hund wird durch mich an einer Kontaktaufnahme mit meinem eigenen Hund gehindert) als Schwäche und Sachunkenntnis ausgelegt. Da erhält man schon mal fix den Zuruf von weitem „… der tut nix - lassen Sie Ihren auch frei!“ oder „Sie dürfen Ihren Hund aber nicht beschützen und verunsichern – wie soll er denn lernen, sich durchzusetzen?“ oder auch - immer öfter – tiefe Stille an der Stelle, wo eigentlich der andere Hundehalter präsent sein müsste, der aber entweder noch eine Tageswanderung entfernt weilt und daher unsichtbar ist oder stillschweigend an uns vorbei schlendert getreu dem Motto „was schert mich der eigene Hund…“.

WARUM ist es so schwer, im Vorfeld darum zu bitten, dass der fremde Hund angeleint wird, weil „… mein Hund ein derartiges frontales Heranstürmen eines fremden Hundes es als das betrachtet, was es in Hundeaugen ist: ein Angriff, zumindest aber ein SEHR intensives, provokantes Kontrollverhalten, das IHREM Hund in den Augen MEINES Hundes gar nicht zusteht. Und da ich in den Augen MEINES Hundes das Rudel führe, muss ich zunächst prüfen, ob hier Gefahr im Verzuge ist (und zwar in einer Art und Weise, die mein HUND versteht), denn ich lasse meinen Hund nicht einfach ins offene Messer laufen.“  (die Hundeebene).

„Und da SIE in MEINEN Augen eine Verantwortung für IHREN Hund haben, möchte ich gerne davon ausgehen können, dass SIE zunächst fragen, ob es in Ordnung ist, wenn sich IHR freilaufender Hund MEINEM angeleinten unaufgefordert nähert!“ (die menschliche Ebene).

Häääh – alles verstanden? Nein? Setzen! 6!

Sachkundlich gesprochen – im Hinblick auf die Frage des „Warum tut Hund dies oder das?“ leben viele von uns Hundehaltern noch in einem Zustand fossiler Urzeitstarre. Selbst ein Teil meiner Familie glaubt noch (ein „Generationenproblem“, sozusagen...),

... dass ein Hund, der wedelt, IMMER freundlich ist; je heftiger, je freundlicher. Einige Denkanstösse zum Thema "wedelnder Hund = freundlicher Hund?" finden Sie hier.

... dass bei ohrenbetäubendem Getöse an der Leine angesichts fremder Artgenossen ein „beschwichtigendes“ Zureden hilft (das wird schon seit Jahren so praktiziert – warum, frage ich jedes Mal nach, warum seit Jahren immer das Gleiche, wenn es doch nicht zu dem erwünschten Ergebnis führt?) Das an sich zeichnet doch bereits ein sinnloses Unterfangen und eine falsche Methodik aus.

... dass Fiffi sich irrt, wenn er abends anschlägt, weil „…da doch nichts ist; warum bellst Du so?“ Und als Zeichen dafür, dass man(n) Recht hat, wird noch die Haustür geöffnet und bestätigend in Richtung Hund vermerkt: „Siehste, habe ich Dir doch gesagt – da is nix!“. Wollen wir Menschen uns tatsächlich einbilden, WIR hören besser als ein Hund???

... dass Fiffi sich „freuen“ muss, wenn ich mit 3 Hunden zu Besuch komme – schließlich bekommt er ja nicht alle Tage Hundebesuch… und wo wir doch alle zur Familie gehören, muss man sich auch „verstehen“, gelle?!

Gleiches gilt auch für den einen oder anderen Bekannten, Freunde oder Kollegen. Manchmal (ganz ehrlich…) kapituliere auch ich; dann finde ich es viel bequemer, zustimmend zu manch verbalem Hundeplumquatsch zu nicken anstatt ansatzweise zu versuchen, den richtigen Ton für die „richtige“ Sichtweise zu suchen und zu treffen. Dann lebe auch ich wieder in der zivilisierten Menschenwelt, in der Ausreden, Schönreden und Dummreden die vermeintliche Problemanalyse einleiten… bis zum nächsten Mal. Aber bequem ist´s schon, jawohl!?

Denn das Schöne daran ist schließlich, dass man zum Beschaffer der eigenen Probleme wird. „créateur d´automobile“ würde Renault sagen… oder „Verursacher des Problemverhaltens des eigenen Hundes im Do-it-yourself-Verfahren“ – sage ich. Einer meiner Hunde war (und neigt grundsätzlich pausenlos zu einer "die Welt ist nicht genug" - Tendenz) so ein "Problemfall" - alles seins, nichts ist meins; die Fingerkuppe gereicht - die Hand vereinnahmt; sein Haus, sein Garten, sein Auto, sein Universum... es erfordert jeden Tag, jede Stunde 100%ige Konsequenz und eine klare Kommunikation, damit "es" mit uns funktioniert. Ich habe mich oft gefragt, womit ich das "verdient" habe, denn keiner meiner anderen Hunde, kein Pflegehund hat mich derart lange und intensiv auf dem Gebiet der Hundeerziehung herausgefordert... und der ersehnte Tag, an dem Frau alles gelernt und fehlerlos in Perfektion umsetzt... er wird niemals kommen. Aber wie heißt es doch so schön: jeder hat den Hund, den er verdient! Herausforderungen sind dazu da, dass man versucht, sie zu meistern... und daraus lernt. Ich tue beides gerne. Auch wenn es manchmal zum Haare raufen ist...

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Der Mensch als "Rudelführer" - geht das....?