Hundehilfe
Eifel
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Hunde und Menschen
– sie leben in der selben und doch so unterschiedlichen Welt! Wir
homo sapiens haben bereits große Schwierigkeiten,
unseresgleichen aus unterschiedlichen Ländern bzw. Kulturkreisen
„richtig“ zu verstehen und bei Hunden tut sich so mancher ähnlich
schwer…
Bei der Hunderziehung ist es ähnlich wie beim Autofahren: Sie gehen
nicht zum Händler und sagen: „Ich suche ein Auto, aber das muss
immer an der richtigen Stelle abbiegen und darf nicht gegen einen
Baum fahren.“ Ohne einen Autofahrer mit dem richtigen „Know-How“
bleibt das Auto nicht auf der Straße und wenn es von 3
unterschiedlichen „Haltern“ gefahren wird, wird es ggf. 3 x
unterschiedlich auf nassen Straßen und bei schlechter Sicht
reagieren:
1. der Situation angemessen, weil Geschwindigkeit und Fahrstil den
Witterungsverhältnissen angepasst wurde (Fahrer A),
2. ein wenig zu schnell und deshalb schlindernd, aber mit viel Glück
ohne Blech- und Personenschaden (Fahrer B) und…
3. schrottreif sowie einem Fahrer C mit Schnittwunden, verursacht
durch den Aufprall am nächsten Baum.
Liegt dies am Auto? Wirklich??
Hundegesuche, die folglich beginnen mit „… und soll sich
mit der vorhandenen Katze und dem vorhandenen Rüden vertragen…“
fallen somit in die gleiche Kategorie! Der Hund ist nichts von
alleine – weder im positiven, noch im negativen Sinne; wir als
Halter fördern – bewusst oder unbewusst – erwünschte wie
unerwünschte Verhaltensweisen. Viele Hunde haben zudem bereits eine
Vorgeschichte, einen oder mehrere Halter und die bereits ge- und
erlernten Verhaltensweisen prägen den Hund ebenfalls…
Der rudelunfähige Hund!
So gelesen in verschiedenen Tiermarktanzeigen:
„Leider müssen wir unsere P… in gute Hände weitergeben. Wir haben
sie seit einem Monat vom Züchter und haben versucht sie an unsere
anderen beiden Hunde (die schon lange ein eingespieltes Team sind)
zu gewöhnen. Sie wird von den beiden aber nicht akzeptiert und
ständig ausgegrenzt. Wir finden, obwohl wir ganz, ganz traurig sind,
dass es für P… besser wäre, sie als Zweit- oder Einzelhund zu
halten…“
„J…., unsere 3 1/2 jährige Hündin sucht dringend ein neues
Zuhause. Sie ist ein ganz liebes, ruhiges Tier, sie geht ohne Leine
spazieren und hört auch sehr gut. Sie ist nur wahnsinnig
eifersüchtig. Sie muss in einen Haushalt, wo kein anderer Hund ist…“
„Ich muss leider mein Wessi-Mädchen abgeben, da meine anderen
Hunde sie nicht akzeptieren. Sie ist 8 Wochen alt, geimpft, gechipt
und dreifach entwurmt.“
„Mein 5-jähriger Hund akzeptiert den neuen Welpen nicht und beißt
ihn immer, wenn der Welpe mit ihm spielen oder kuscheln will. Abgabe
dringend gegen geringe Schutzgebühr.“
Wagen wir einmal - zur Verdeutlichung der Ursachen - den Versuch
einer vergleichbaren „Mensch-Mensch-Situation“?
SIE sind Mitte 30, glücklicher Single, und Ihre Freundin überlässt
Ihnen von heut auf morgen ihren 3-jährigen Sohn. Sie hat keine Zeit
mehr für ihn und möchte Ihnen einen Gefallen tun… der Kleine ist
noch völlig unerzogen und hyperagil. Er reißt als erstes Ihre
Porzellanpüppchen vom Regal, wirft mit dem Ball, den er im Garten
gefunden hat, Ihre Fensterscheibe ein und will immer auf Ihren
Schoss, um Ihnen an den Haaren zu ziehen oder auf die Nase zu
küssen. Sie müssen ihn auf Schritt und Tritt folgen, damit er nichts
anstellt und eigentlich müssten Sie zu dieser Zeit schon längst
arbeiten….
Nach ca. 4 Std. sind Sie völlig genervt, Sie hatten bis jetzt noch
keine einzige ruhige Minute – entweder will der Kleine etwas von
Ihnen oder Sie müssen ihn „bewachen“, damit er nichts anstellt oder
sich Ihrer Sachen bedient. Alles Zureden hilft nichts und als Sie
laut werden und ihn festhalten wollen, zwickt er Sie in den Finger,
lacht Sie aus und macht munter weiter...
Als Sie sich abends bei Ihrer Mutter beschweren, dass Sie mit Ihrer
neuen, von Ihnen ungewollten Situation, absolut nicht einverstanden
sind, wundert sich diese; der Kleine ist doch soooo süß…. und
sicherlich meinte Ihre Freundin es doch nur gut, Ihnen soziale
Kontakte und die Möglichkeit der Kinderbetreuung zu verschaffen…
SIND SIE GLÜCKLICH? Hat man IHNEN einen Gefallen getan? Wieso
schätzen Sie nicht die zusätzliche Quelle an Sozialkontakten;
Menschen benötigen doch schließlich eine Sozialgemeinschaft… und
wieso reagieren Sie nicht positiv, freundlich und nachsichtig –
schließlich wissen Sie doch um den Mythos, dass Sie ein biologisch
verankertes „Babyschutz“- Gen in sich tragen, oder?
Spaß beiseite… denn es ist keiner! Nicht jeder Hund findet es
wunderbar, wenn plötzlich „Familienzuwachs“ auf der Matte steht…
sein Körbchen inspiziert, vielleicht sogar darin markiert, „seine“
Spielsachen benutzt und auch andere Ressourcen (Aufmerksamkeiten,
Zuwendungen, Futter…) für sich beansprucht. Warum sollte er auch????
Natürlich gibt es Hunde, denen es sprichwörtlich „nichts ausmacht“,
die in einem weiteren Hund keine Bedrohung ihres eigenen Status
sehen, bereitwillig „teilen“ und die Spielaufforderungen des
Neuzugangs angemessen quittieren. Pures Glück! Wenn SIE es Ihrem
Hund überlassen und nichts dazu beitragen, wird es auch dabei
bleiben – einer Glücksache: bestenfalls friedliche und harmonische
Koexistenz - die Hunde mögen sich auf Anhieb und es gibt auch später
keine Rangordnungsprobleme; und wenn das Glück Sie verlässt bzw.
Ihnen von Anfang an nicht hold ist: einseitige oder beidseitige
Ablehnung oder wilde Beissereien.
Haben Sie also einen Hund, der Ihren Neuzugang als Eindringling
betrachtet (ein sehr natürliches Verhalten übrigens und alles andere
als „unsozial“…), dann ist es an Ihnen, die
Hausordnung herzustellen. Denn… grundsätzlich… wer entscheidet bei
Ihnen, wer ins Haus darf und wer nicht??? Sie, Ihr Hund … oder
vielleicht Ihr Kind? Würden Sie das gleichaltrige Kind Ihrer
Nachbarin ebenfalls bitten, wieder zu gehen, falls Ihr eigener Sohn
ihn beim Betreten Ihres Hauses vor das Schienbein tritt und ihn ins
Gesicht spuckt… weil er ihn „nicht mag“…? Wohl kaum – wahrscheinlich
wäre es Ihnen im Beisein Ihrer Nachbarin höchstpeinlich und Sie
würden Ihren Sohn zurechtweisen, ihm unmissverständlich klar machen,
dass Nachbar´s Sohn Gast in Ihrem Hause ist und es Ihnen obliegt,
Gäste zu empfangen, egal, um wen es sich dabei handelt… nicht aber
Ihrem Sohn! Aber genauso würden Sie dem Besuchskind klar machen,
dass es Ihren Sohn nicht zu provozieren hat und sich ebenfalls
seinem „Gaststatus“ angemessen verhält, Ihren Sohn nicht zur Seite
schiebt oder rempelt und sich unaufgefordert an seinen Spielsachen
bedient.
So weit – so schlecht! Falls also bei Ihnen zu Hause bereits der
Hund das Zepter in der Pfote hält und darüber entscheidet, wer
Zutritt hat… dann liegt viel Arbeit vor Ihnen! Dass Ihr Hund
Besucher meldet (bellt, anschlägt), ist prima - das ist ja
schließlich auch seine ureigenste Aufgabe…, aber was „danach“ in
Ihrer Gegenwart passiert, sollte Ihre Entscheidung sein… und nur
Ihre! Können Sie diese Situation nicht angemessen steuern, sollten
Sie zunächst einmal die Rangordnungsmissverständnisse zwischen Ihnen
und Ihrem Hund klären, bevor Nr. 2 adoptiert wird.
Was… Nr. 2 ist schon da, seit gestern? Hm… somit kämpfen Sie also
gleichzeitig an 2 Fronten! Denn zunächst einmal muss Ihr 1. Hund
lernen, dass Sie Entscheidungen treffen (und auch durchsetzen!) und
nicht er UND der neue Hund muss dies auch lernen – auch
„gleichzeitig“! Denn so wichtig es ist, dass Hund Nr. 1 sich an Ihre
Regeln hält, so wichtig ist es ebenfalls, dass Hund Nr. 2 nicht aus
der Reihe tanzt und gegen Ihren Willen z.B. Hund Nr. 1 provoziert
(der unkontrollierte Gang durch´s neue Haus, Besetzen der
strategisch interessanten und wichtigen Liegeplätze, Bestürmen und
ggf. Aufreiten auf Hund Nr. 1…). Gelingt Ihnen dies nicht, passiert
in der Regel das, was o.g. genervte Halter als Abgabegrund so
trefflich beschreiben: entweder wird der Neuling gemobbt oder gar
gebissen oder den bereits vorhandenen Hund ereilt dieses Schicksal.
So mancher wird nun einwenden, dass der Hund doch ein Rudeltier
ist – er BRAUCHT doch soziale Kontakte und sie verstehen sich doch
auch prima auf den Spaziergängen und spielen (dem
„Spiel“-Verb werden wir einen separaten
Beitrag widmen!) so wunderbar!“.
Haben Sie sich schon einmal überlegt, WO genau der Unterschied liegt
zwischen dem gelegentlichen Treffen auf den Spaziergängen und dem
Dauerwohnrecht in Ihrem Haus? Nein? Nun, zum einen gibt es „draußen“
viele Möglichkeiten, ungewollten Sozialkontakten aus dem Weg zu
gehen, sowohl als Halter, als auch als Hund – man biegt in die
nächste Straßenecke ein, falls der wilde, ungestüme, rauflustige Rambo
mit seinem Frauchen Susi Sorglos wieder unterwegs ist; manche
freilaufende Hunde machen von sich aus schon einen großen Bogen um
Artgenossen als Zeichen dafür, dass sie keinen Wert (aus welchen
Gründen auch immer) auf einen Direktkontakt legen. Im Haus wird dies
problematisch – denn irgendwo gibt es immer eine Wand, eine Tür, die
ein Ausweichen bzw. einen Rückzug unmöglich macht. Eine
Konfrontation wird somit erzwungen – wie der einzelne Hund darauf
reagiert, ist sehr unterschiedlich… aber eben nicht immer
„harmonisch“! Harmonie, gegenseitiges „Mögen“ kann man nicht
erzwingen, wohl aber gegenseitige Akzeptanz als menschlicher „Rudelführer“
von seinen Hunden "einfordern" – wenn man diese Position in den
Augen seiner Hunde auch inne hat; dafür muss man etwas tun – es wird
einem nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel…) geschenkt!
SIE alleine sind
dafür verantwortlich, dass die minimalistischste Umgangslösung
zwischen Hund Alt und Hund Neu ein gegenseitiges Akzeptieren ist
bzw. wird - nur Sie können diesen Status herstellen; Ihren Hunden
"den Rücken frei halten" von etwaigen Entscheidungen im (noch
konfliktreichen) Umgang untereinander, die sie zweifelsohne
überfordern werden...
Kehren wir zurück in die „Menschenwelt“ – Sie erinnern sich noch?
Ihre Freundin, die Ihnen ihr Kleinkind „geschenkt“ hat? Wären Sie
nicht dankbar in dieser Situation, wenn Ihre Mutter dazu käme, sich
um den Kleinen kümmern und ihn „artgerecht“ beschäftigen, ihn
versorgt und somit Ihnen den Rücken freihält? Solange, bis Sie Zeit
und Muße haben, einen Teil der Verantwortung zu übernehmen… solange,
bis der Kleine die wichtigsten „Mutter + Kind“- Umgangsregeln
erlernen durfte und „angemessen“ reagiert? Würde man Sie und das
Kleinkind einfach „zusammenpacken“ und sich gegenseitig ausliefern
getreu dem Motto „… die machen das schon unter sich aus!“ - tja,
kein wirklich guter Start ins „neue“ Leben, oder?
Beim Hund scheint es aber soviel einfacher zu sein: anschaffen, ausprobieren, abgeben – wenn es nicht zur sofortigen Zufriedenheit klappt! Weil der 1. Hund „unglücklich“ ist und der neue einfach „penetrant“. Hundehalter gehen oftmals in selbstverständlichster Weise davon aus, dass der bereits vorhandene Hund einen weiteren Artgenossen in seinem Territorium als Bereicherung erlebt, dass die „Chemie“ stimmen wird. Mögen WIR jeden Menschen? Kennen wir nicht auch jeder mindestens einen Mitmenschen, auf den wir toxisch reagieren? Stellen Sie sich einmal vor… genau DIESER Mensch zieht dann auch noch bei Ihnen ein und nimmt gleich Ihren Sessel in Beschlag, bedient sich unaufgefordert am Kühlschrank und zieht Ihren Pyjama an? Aber SIE bleiben dann bestimmt gesellschaftsfähig, oder????