Hundehilfe
Eifel
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(Autor: Martina Wald, Hundehilfe Eifel, im Januar 2010)
Als ich 1977 nach
langer Überzeugungsarbeit und ebenso langer privater Betreuung so
mancher Nachbarshunde von meinen Eltern die Zusage für einen eigenen
Hund bekam, war ich überglücklich. Wir fuhren in das nächstgelegene
städtische Tierheim und stellten fest, dass wir auf das, was
uns erwartete, in keinster Weise vorbereitet waren.
Damals hatte
Tierschutz noch einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft:
Wohin man sah war es dreckig, nass und verkotet. Tierhaltung ist
- keine Frage - nicht immer klinisch rein, aber dies hier war
einfach nur erschreckend. Die Hunde standen diesem ersten Eindruck
in Nichts nach. Sie fristeten ihr Dasein in überfüllten Zwingern,
begleitet von ohrenbetäubendem Gebell. Neben flehenden Blicken,
einer Vielzahl völlig verängstigter und sich selbst aufgebender
Hunde in den hintersten Ecken waren Mobbing und Beißereien unter den
Hunden an der Tagesordnung und somit Normalzustand.
Informationen,
abseits vom bekannten oder geschätzten Alter des einzelnen Hundes
hinaus, gab es keine. Wir gingen durch die Zwingergänge, erschüttert
und dennoch entschlossen, wenigstens einen Hund dort herauszuholen.
Wir sahen Timmy, einen schwarzen mittelgroßen „Irgendetwas-Mix“.
Laut Tierheimpersonal ein Fundtier, Einschätzungen zum Hund
lagen nicht vor. Wir sagten „den möchten wir gerne“, daraufhin wurde
er angeleint, wir gingen samt Hund schnurstraks ins Tierheimbüro,
füllten einen Vertrag aus, und bezahlten. Nun durften wir Timmy
sofort mitnehmen - ohne persönliches Gespräch zwecks Einschätzung
unserer Hundeerfahrung, ohne Vorkontrolle, ohne Nachkontrolle.
Anspruch & Wirklichkeit
Man sollte meinen,
dass über 30 Jahre später solche Vermittlungsabläufe längst ihr Ende
gefunden haben. Man sagt,
dass man „erfahren“ ist, hinterlässt einen „netten“ Eindruck, legt
das Geld auf den Tisch und fährt mit Hund wieder nach Hause.
Familienzuwachs im Schnelldurchlauf…
Kaum ein
Tierschutzverein, der heute nicht auf seiner Internetseite mit einer
Vorkontrolle wirbt als Zeichen seiner Seriosität, ganz dem Wohle des
Hundes verpflichtet. Doch was genau ist eigentlich eine
Vorkontrolle? Die deutsche Sprache versteht sich leider nicht von
selbst; sie unterliegt einer Interpretation, dazu in aller Regel
auch noch einer subjektiven … jeder versteht unter Vorkontrolle
offensichtlich etwas höchst Eigenes. Der Zweck, den eine
Vorkontrolle erfüllen soll, variiert je nach Tierschutzverein bzw.
dem zuständigen Vermittler und dessen Ansprüche an eine seriöse
Vermittlung, welche allen Seiten
- Tierschutz/Hund/neuer Halter – gleichermaßen gerecht
werden soll(te).
Vorkontrolle -
schon die Bezeichnung ist ein spöttisches Wortspiel, denn
„kontrolliert“ werden will eigentlich niemand. Der Begriff an sich
assoziiert eher etwas Negatives, was so manchen Interessenten
zurückschrecken bzw. ihn eine „was-fällt-denen-denn-ein?
Ich-hatte-schließlich-schon-immer-Hunde“- Haltung einnehmen lässt.
So wird dann schnell aus einer Vorkontrolle ein
Beschwichtigungsversuch à la „Nein, nein ... wir wollen nur einfach
mal vorbei schauen und uns vergewissern, dass alles in Ordnung ist.“
Eine Vorkontrolle
im eigentlichen Sinne und um dem Zweck zu dienen, dessen sie
überhaupt ein Werkzeug des Tierschutzes geworden ist, beinhaltet
aber genau das: eine KONTROLLE von
harten und
weichen
Fakten; von Wohnverhältnissen einerseits und einer
sachkundigen Einschätzung der (Hunde-)Erfahrung des Halters
andererseits. Letzteres wiederum lässt sich weitestgehend nur dann
verlässlich vornehmen, wenn man die Erfahrungen der Halter mit dem
Wesen/Charakter/ Verhalten/Triebveranlagung des auserkorenen Hundes
abgleichen kann. Welche bestimmten Erfahrungen bringt HALTER A für
HUND B mit? Und nicht… hat er Erfahrungen MIT HUNDEN? [Das wäre so,
als würde man in ein Schuhgeschäft gehen und nach Schuhen fragen,
ohne angeben zu wollen, für welchen Anlass. Turnschuhe sind eine
prima Sache, aber eben nicht für den Besuch einer Oper.]
Um verlässlich das
„Gesamtpaket“ (Erfahrungen/Fähigkeiten der Halter nebst vorhandenen
Umwelt-/Alltagseinflüssen) beurteilen zu können, muss man diese vor
dem Hintergrund einer entsprechenden Ausgangslage (hier: des zu
vermittelnden Hundes, nicht IRGENDEINES Hundes) sehen. Ansonsten
bliebe nur die Möglichkeit einer Pauschalbeurteilung der Halter, was
wiederum keine zuverlässige Aussage über die Eignung für einen
INDIVIDUELLEN, aber „unbekannten“ Hund zulässt.
Eine Vorkontrolle
sollte nicht „irgendetwas“ sein und zum pflichtgetreuen Alibi
verkommen. Sie stellt vorrangig die PFLICHT des Vermittlers/des
Tierschutzvereins in den Vordergrund, im Zeitpunkt der Vermittlung
mehr wissen „zu müssen“ als der Interessent selbst - speziell
hinsichtlich des zu vermittelnden Hundes einerseits und der für
DIESEN Hund benötigten Kenntnis über
Hundeverhalten/Hundesprache/“Problemzonen“ (je nachdem, welche
Anforderungen der zu vermittelnde Hund stellt) andererseits. Denn
wer letztendlich darüber entscheidet, wohin ein Hund geht und auf
dessen Angaben sich ein Interessent auch verlässt (und sich auch mit
gutem Gewissen verlassen können muss…), kann sich dieser
Verantwortung nicht mit Halbwissen oder naiver Tierliebe entziehen.
(Vor-)Kontrolle
bedeutet auch, Ereignisse bzw. Entwicklungen tendenziell voraussehen
zu können oder auch bereits eingetretene Entwicklungen erklären zu
können. Spätestens daran scheitern die meisten Vorkontrollen
heutzutage…
Verantwortung ohne Wissensfundament
Jeder „Job“ setzt
Erfahrung voraus, meistens sogar eine Ausbildung, egal in welcher
Form und von welcher Dauer. Jedoch… Vorkontrollen kann jeder
übernehmen. Jeder, der gerade Zeit hat und sich „anbietet“. Je nach
Notlage des vermittelnden Vereins („wer kann für uns DRINGEND eine
VK in XY übernehmen… haben immer noch niemanden gefunden und der
Hund kann morgen schon fliegen…“) wird demzufolge auch „jeder“
genommen. Bietet man sich zur Vorkontrolle an und erwähnt, dass man
selber schon immer Hunde hatte, stirbt bereits hier jede gesunde
Skepsis seitens der meisten Tierschutzvereine. Da wird flugs ein bei
der Vorkontrolle abzuarbeitender Fragebogen an die Hand gegeben und
schon geht´s los. Antworten werden stupide und ohne sachkundige
Interpretation oder Nachfrage notiert – die Vorgehensweise lässt
oftmals an eine dieser Telefonumfragen erinnern: „Haben Sie bereits
Hundeerfahrung? Ja oder Nein? Würden Sie einen Hund abgeben, wenn er
Probleme bereitet? Ja oder Nein?“. Standardwerke ohne „Seele“… ohne
Kenntnis-Tiefgang. Aber… man kann stolz verkünden: Vorkontrolle
durchgeführt – Ergebnis: selbstverständlich wunderbar!
Manche
Vorkontrolle birgt das unfreiwillige Potenzial einer lustigen
Klassenfahrt: wenig Lebenserfahrung, zweifelhafte Naivität gepaart
mit dem Willen, die Welt zu verändern. Ohne Substanz, ohne
Objektivität, ohne Pragmatismus. Die Feierlichkeiten beginnen mit
dem leckeren Kaffee und hören beim lustigen Schwank aus der Jugend
auf. Der eigentliche „Job“, DIESE Interessenten vorbehaltlos und
objektiv (egal, ob sehr sympathisch oder nicht) in Bezug auf DIESEN
Hund einzuschätzen, bleibt auf der Strecke. Aber scheen war´s...
Ganz traditionell
geht´s dann auch weiter… keine Seltenheit, dass das Ergebnis einer
Vorkontrolle mit kurzen, inhaltslosen Halbsätzen an den Vermittler
weitergeleitet wird: „war alles in Ordnung… nette Leute“. Und es
gibt genug Vermittler, die mit 6 Worten mehr als zufrieden sind: das
Alibi – es lebe hoch!
Seriöse
Vorkontrolleure nehmen in dieser Hinsicht auch heute noch immer eine
Vorreiter-Position ein. Fragen sie gezielt auf die Anfrage nach
einer Vorkontrolle beim Vermittler nach, welche Informationen a)
bereits über den Interessenten vorliegen und b) welche Anforderungen
der zu vermittelnde Hund stellt bzw. wie dieser vom Verein
eingeschätzt wird, dann hört man schon einmal ganz schnell: „Wieso
wollen Sie das wissen…? Sie sollen doch einfach nur schauen, ob
diese Leute o.K. sind!“. Kein Wort zum Hund… was in den meisten
Fällen auch nicht wirklich überrascht, denn diesen kennen die
Vermittler oftmals gar nicht; die Pflegestellen (sofern der Hund
überhaupt auf einer solchen ist – meistens weilt er noch im Ausland
oder beim derzeitigen Halter, der ihn möglichst gestern schon
loswerden wollte…) halten sich bedeckt oder dürfen mitunter keine
Auskunft geben oder sie sind selbst nicht in der Lage, den Hund
adäquat einzuschätzen.
Manche erfahrene
Vorkontrolleure mit dem Anspruch, diese Aufgabe (gemessen an der
Tragweite der Verantwortung für Hund und Halter in spe) auch
zweckdienlich zu erfüllen, werden unter der Hand - bereits
namentlich stigmatisiert - innerhalb der Vereine „weitergereicht“
(„Frag bloß nicht den/die, der ist immer so kritisch und empfiehlt
zu oft, keinen Hund dorthin zu vermitteln...“). Man sucht also
mitunter ganz gezielt nach jemanden, der die Vorkontrolle quasi
durchwinkt, damit man mit „gutem Gewissen“ möglichst zügig einen
Hund vermitteln kann. Die Qualität und damit das
Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Hund und letztendlich auch
dem Halter in spe bleiben auf der Strecke. Leider, leider… werden
Vermittlungen, die zwangsläufig im Nachhinein aufgrund
unsorgfältiger Vorkontrollen scheitern/scheitern müssen, nicht
öffentlich. Kommt ein Hund in die Vermittlung zurück und wird dieser
Umstand tatsächlich explizit erwähnt (was immer noch die Ausnahme
ist…), liegt es selbstverständlich an den „unfähigen“ Haltern, die
sich einfach keine Mühe gegeben haben. Tatsächlich? Ob sich diese
Halter wirklich für DIESEN Hund entschieden hätten, hätte man ihnen
im Rahmen der Vorgespräche und letztendlich der Vorkontrolle als
alles entscheidende Instanz zeigen können, was DIESER Hund an
Erfahrung voraussetzt….? Oder wenn man Sätze der Halter à la „doch,
doch, das schaffen wir schon…“ mit etwas mehr Hundesachverstand und
–erfahrung kritischer hinterfragt und ggf. sogar von einer
Vermittlung Abstand genommen hätte…?
Echte Vorreiter
haben aber – wie so oft im Leben – immer mit Spöttern zu kämpfen,
oder Vorurteilen, oder, oder… Die Zahl der zunehmenden
Fehlvermittlungen, Rückläufern, Umplatzierung von Hunden von
Pflegestelle zu Pflegestelle, Rücktransport (z.B. von Auslandshunden
in ihr Heimatland als letzte, als ultimative Möglichkeit für so
manchen Verein), spricht aber eine andere, sehr deutliche Sprache.
Es hat mitnichten etwas mit einem Anspruch auf Perfektion zu tun,
wenn sich seriöse Tierschutzvereine, Vermittler und Vorkontrolleure
dafür aussprechen, wohlwollend aber kritisch das Werkzeug der
Vorkontrolle zu nutzen. Es ist niemanden damit gedient, einen
„unpassenden“ Hund in eine „nette“ Familie zu vermitteln an dessen
Ende beide Parteien überfordert und unglücklich sind. Eine richtige
Partnerschaft muss „passen“ oder man muss dazu lernen, damit sie
„passt“. Dieses Dazulernen
muss aber realistischerweise auch möglich sein und nicht an
bereits erkennbaren Umständen scheitern. Um sich dann vereinsseitig
mit einer achselzuckenden Feststellung „… hätte ja auch klappen
können, wenn…“ herauszureden.
Da scheitern Vermittlungen, die bereits im
Vorfeld zum Scheitern verurteilt waren… und niemand hat es kommen
sehen: nicht der Vermittler, nicht der Vorkontrolleur, nicht der
Halter selbst, obwohl…
Ein sehr agiler, junger, arbeitstriebiger Hund an ein älteres Ehepaar vermittelt wird, das lt. Vorkontrolle einen „wunderbaren, großen, eingezäunten Garten“ besitzt, in dem der Hund nach „Herzenslust“ toben kann. Der Hund wurde nach weniger als 4 Wochen zurückgegeben, weil die Halter auf den Spaziergängen total mit dem Hund überfordert waren und im Garten - nunmehr einzige Betätigungsquelle des Hundes - im Alleingang, alles verbellt und gejagt wurde (einschließlich Passanten und Nachbarn). Nicht „vorhersehbar“….?
Der Vermittlungshund des Tierschutzvereines XY zum dritten Mal innerhalb der Pflegestellen umgesetzt wird, weil niemand Erfahrung mit einem „Schutz- bzw. Territorialtrieb“ und seinen Auswirkungen (wenn unkontrolliert) hat. Da es wieder einmal DRINGENDST ist, wird die erstbeste Pflegestelle, die sich meldet, mit offenen Armen empfangen… und bekommt den Hund als Pflegestelle Nr. 4. Kritische Überprüfung, ob nun wenigstens DIESE Pflegestelle die notwendige Erfahrung mitbringt… unerwünscht und auch nicht möglich, wenn man als Verein derart mit dem Rücken zur Wand steht.
Ein Welpe als „Spielkamerad“ zu einer 10-jährigen, an HD-leidenden Hündin vermittelt wird und man „überrascht“ ist, dass die alte Hündin sich nicht mit dem aufdringlichen Welpen („der will doch nur spielen…“) versteht und ihn regelmäßig wegbeisst. Halter unerfahren – Vermittler/Vorkontrolleur ebenso!
Diese Liste der
„typischen“ Ursachen, warum Vermittlungen aufgrund von Laxheit,
Unerfahrenheit oder oftmals auch aufgrund mangelnder
Sorgfaltspflicht der Tierschutzparteien selbst scheitern, wäre
ellenlang… und sie wächst jeden Tag.
Die „zweckdienliche“ Vorkontrolle bedeutet Arbeit & Ahnung – nicht
nur „lecker Kaffee trinken“…
Gute (sprich: aussagefähige) Vorkontrollen
haben mittlerweile Seltenheitswert. Aber es gibt sie, Gott sei Dank.
Viele Tierschutzvereine haben sich fachlich und organisatorisch
bewusst so aufgestellt, dass sie alle Möglichkeiten haben, diese mit
Sinn und Verstand durchzuführen, ggf. eine Vermittlung abzulehnen
oder vor Ort persönliche Hilfe zu gewährleisten, falls ein Halter
zwar geeignet ist, aber ggf. Hilfestellung am Anfang benötigt.
Solche Vereine prüfen nicht nur die harten Fakten, sondern
insbesondere auch die „weichen“ Fakten, also Erkenntnisse, die nicht
objektiv quantifizierbare Merkmale enthalten, die aber einen großen
Einfluss auf eine erfolgreiche Vermittlung haben. Harte Fakten
lassen sich problemlos überprüfen: Wohnung oder Haus, wie groß ist
der Garten, wie viele Personen leben im Haus, wie viele andere
Tiere? etc…
Es sind die
weichen Fakten, jene Dinge, die sich nicht in „Maßeinheiten“
beurteilen lassen, die eine sachkundige Vorkontrolle von einem
Pseudo-Alibi-Besuch unterscheiden. Wie beurteilt man z.B.
Hundeerfahrung? Wie lässt sich die Selbsteinschätzung eines
Interessenten („ich hatte schon immer Hunde“) mit ggf. dem
abgleichen, was man vor Ort zwischen Interessent und vorhandenem
Hund sieht? Wie kann man dies beurteilen, wenn es noch keinen
(Erst-)Hund vor Ort gibt oder der vorhandene Hund ein ganz anderer
„Typ“ Hund ist als der zweite, um den man sich gerade bewirbt? Wie
prüft man „Verantwortungsbewusstsein“ bei einem Menschen und was
genau meint der Interessent, wenn er sagt, dass er bei Problemen mit
dem Hund selbstverständlich bereit sei, in die Hundeschule zu gehen?
Was hat die Aussage „wir würden NIE einen Hund abgeben“ für einen
Wert?
Weiche Fakten sind
immer aussagefähiger als harte Fakten; sie entscheiden über den
Grundsatz, ob man jemandem „zutraut“, für den Hund X oder Y der oder
die Richtige zu sein. Dies bedeutet, die Kombination und den Bezug
von mehreren Elementen unter- und zueinander abzuwägen und zu
berücksichtigen: einschlägige Erfahrung, Verantwortung, Geduld,
Mitgefühl, Konsequenz, Sensibilität… Und hier zeigt sich dann auch
gleich das nächste Problem: viele, die über Vermittlungen
entscheiden bzw. zum Entscheidungsprozess beitragen, z.B. auch durch
Vorkontrollen, sind unerfahren in dieser Hinsicht. Sie besitzen
wenig bis keine Menschenkenntnis, können nicht „zwischen den Zeilen“
lesen und besitzen keinerlei Sensibilität oder kognitive
Fähigkeiten, wenn es um die Einschätzung von Worten, Taten und
Körpersprache ihres menschlichen Gegenübers geht. Sie sehen, was sie
sehen wollen/können und fällen ihr Urteil. Oftmals reicht dennoch
selbst dieses Maß an „Erfahrung“, um eine richtige Entscheidung zu
treffen -
nämlich immer dann, wenn der Hund die vorherige Pauschaleinschätzung
(„anspruchslos“) in der Tat erfüllt, quasi ein „Selbstläufer“ in
jeder Hinsicht ist und die Halter vor keine nennenswerten
Problematiken stellt.
Erkenntnisse einer
sachkundigen Vorkontrolle beziehen sich nicht nur auf den präsenten
IST-Zustand des z.B. vorhandenen Hundes, sondern auch auf eine
verlässliche Prognose, wie wohl dieser „Typ Hund“ mit einem weiteren
harmonieren würde. Neben den optimalen oder ggf. weniger optimalen
Bedingungen einer Zweit-/Dritt-/Mehrhundehaltung gilt es
herauszufinden, welches Maß an „Mehrverantwortung“ (für den Fall,
dass es weniger harmonisch zugeht) damit vom Halter abverlangt wird.
Mehrverantwortung, die eben nicht darin resultiert, dass man den
Hund wieder abgibt („die mögen sich nicht wirklich – mein Hund will
mich wohl doch ganz für mich alleine haben“), sondern Verantwortung
im Sinne von Dazulernen (können und wollen!) um den Hunden ein
konfliktfreies Miteinander zu ermöglichen.
Prognosen auch in
Bezug auf die Beurteilung des jeweiligen Halters in spe: ist er
bereits jetzt schon mit der „normalen“ Erziehung eines (seines)
vorhandenen Hundes überfordert („der zieht immer so an der Leine und
bellt gerne jeden fremden Hund an, und alleine bleiben kann er auch
noch nicht – er ist ja erst
2 Jahre alt…“), dann sind dies keine befürwortenden Argumente, sich
JETZT einen weiteren Hund dazu zu holen.
Es gibt NIE eine
Garantie, dass ein Hund für immer – glücklich und zufrieden – bei
seinem Halter bis an das Lebensende leben kann. Auch versierte
Vereine/Vermittler/Vorkontrolleure sind keine Hellseher, aber vieles
würde nicht passieren, wenn man eine Vermittlungseinschätzung von
mehr Anspruch auf Qualität abhängig machen würde, als nur auf den
netten Eindruck und die glaubhaften und auch meistens ernst
gemeinten Beteuerungen der Interessenten zu vertrauen. Meldungen wie
unter Animal
Health Online
zusammengetragen, sind nur ein BRUCHTEIL der Auswirkungen:
Beißvorfälle, Hunde, die einschläfert werden, weil die Halter mit
ihrer Aufsichts- und Sorgfaltspflicht überfordert waren;
misshandelte und verwahrloste Tiere, weil die Zustände vor einer
Vermittlung nicht geprüft wurden; Hunde, die Besitzer mittels eines
qualvollen Tods entsorgen, weil irgendwo am Anfang einmal eine
vorschnelle Vermittlung stand als Auftakt zum Wanderpokal… niemand
hat es gewollt – aber auch niemand fühlt sich verantwortlich dafür.
Tierschutz bedeutet Verantwortung; Tierliebe auch…
Ein seriöser
Tierschutzverein agiert ähnlich wie ein seriöses Unternehmen auf
Mitarbeitersuche: es kennt die Anforderungen bis ins Detail, die an
die Position XY gestellt werden und sucht aus den eingehenden
Bewerbungen diejenige heraus, die die Anforderungen optimal erfüllt.
Hier reicht es auch nicht, wenn der Bewerber versichert, er „könne
den Job schon“ und habe schon immer „ähnliche Aufgaben“ erfüllt.
Wenn das Unternehmen explizit nachfragt und nachprüft, ist es nicht
„besserwisserisch“ oder „bevormundet“ den Bewerber, sondern stellt
sicher, dass hier zusammenfindet, was auch zukünftig erfolgreich
zusammen gehören soll ... und zwar in dem Maße, dass ALLE
Beteiligten zufrieden sind. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die
Beurteilung der Bewerber kann man nicht „jedermann“ anvertrauen, nur
weil er/sie sich dafür anbietet und ins Spiel bringt.
Wer beurteilen will, ob der Bewerber für die Stelle X auch
wirklich geeignet ist, muss selber diese Aufgaben genauestens kennen
oder jemanden zu Hilfe holen, der dies tut.
Hundehaltung hat
sehr viel mit Respekt und Verantwortung zu tun: dem eigenen Hund
gegenüber, dass er artgerecht aber auch abgesichert leben kann und
darf; der Umwelt gegenüber, dass sie nicht belästigt oder geängstigt
wird durch den eigenen Hund („der tut nix und es ist doch nicht so
schlimm, wenn er an Ihrem Kind hochspringt…“) und auch allen ggf.
weiteren vorhandenen Hunden im eigenen Hausstand gegenüber, denn der
Abgabegrund der „Unverträglichkeit“ gegenüber vorhandenen
Artgenossen nimmt ständig an Bedeutung zu.
Die Beurteilung
des IST-Zustandes und daraus gewonnene Erkenntnisse als Basis für
eine rationale Prognose, wie sich dieser
Zustand unter veränderten Bedingungen weiter entwickelt
(Zweithund zieht ins Haus oder erstmalig ein unsicherer, ängstlicher
Hund…), das ist ebenfalls die Aufgabe einer Vorkontrolle, die ihren
Namen zu Recht trägt. Alles andere ist Augenwischerei mit reiner
Alibifunktion: Vorkontrolle durchgeführt – Erkenntnisse? Null! Aber,
das wird schon gut gehen, gelle?! Naiver Optimismus contra
vernunftsorientierter Realität – leider alles andere als eine
Seltenheit im heutigen Tierschutz. Was das Risiko von
Fehlentscheidungen nicht gerade vermindert…
Aus
nachvollziehbaren Gründen werden die wirklichen Umstände und
Ursachen von Fehlvermittlungen nicht veröffentlicht – jeder Verein
oder betroffene Halter ist um Stillschweigen bemüht und wie groß und
schnell wachsend die Zahl der Rückläufer wirklich ist, weiß man nur,
wenn man „im Thema“ ist oder aus anderen Gründen regelmäßig mit
Betroffenen zu tun hat. Die Fakten sind erschreckend… und die
meisten Halter können einen seriösen von einem unseriösen
Tierschutzverein erst dann unterscheiden, wenn sie selbst betroffen
sind.
Tierschutzarbeit
ist wichtig, in all ihren Facetten. Aber nur helfen
wollen, reicht nicht. Es
gibt Aufgabenbereiche, die erfordern entsprechende Erfahrungen und
nicht nur Goodwill und Tierliebe.
Die These „das ist das Beste, was wir leisten können unter
den Umständen XY“
verdient heutzutage keine Absolution mehr. Manche
Dinge tut man besser gar nicht, als nur „irgendwie“… Wenn man
mit einer bestimmten Aufgabe, auch wenn sie „nur“ ein Ehrenamt
darstellt, eine weitreichende Verantwortung für Tier & Mensch
übernimmt, muss man dieser auch gerecht werden.
Es bleibt zu hoffen, dass durch die seit einiger Zeit an Intensität zunehmende Berichterstattung in den Medien und in der Presse die schwarzen Schafe zunehmend - auch namentlich – genannt werden, um weiteres Unheil zu verhindern.
Um Hundehaltern eine bessere Informationsbasis und objektivere
Auswahlmöglichkeit zu bieten, BEVOR sie an den falschen
Tierschutzverein geraten…
Vorkontrollen – mehr Schein als Sein…?
Seien wir ehrlich
und realistisch: schwarze Schafe – auch im Tierschutz – gab es schon
immer und wird es immer geben. Ebenso wie graue, die glauben, sie
seien rein weiß und gar nicht erkennen, dass sie ihrer Verantwortung
gegenüber ihren Vermittlungshunden und Interessenten uneinholbar
hinterher hinken. Aber es gibt viele gute, seriöse
Tierschutzvereine, die sich durch Professionalität und
Fachkenntnisse abgrenzen vom Durchschnitts-Tierschutz-Allerlei. Die
sehr erfahrene, verantwortungsbewusste Vermittler haben; die ihre
Pflegestellen schulen, die ihre Vermittlungshunde in- und auswendig
kennen; die sich Zeit nehmen, die Stärken und Schwächen der
Interessenten auf eine „nette Art“ auf Herz und Nieren zu prüfen,
damit niemand später eine unerwartete Überraschung erlebt. DAS ist
für mich persönlich Tierschutz, in dem sich auch der Begriff der
Tierliebe widerspiegelt.
Wir können nicht alle Hunde dieser Welt retten, obwohl wir das alle nur allzu gerne tun würden. Aber wir dürfen auch nicht das Wohl des einzelnen Hundes der Masse an Hunden im (N)Irgendwo opfern. Die Abstriche in einer Vermittlung von so manchen Tierschutzvereinen, die sich mit der Anzahl ihrer Vermittlungshunde selbst hoffnungslos überfordern... Abstriche, die so gerne mit der Aussage „Immer noch besser als…“ gemacht werden, sind sehr gefährlich und die Folgen dieser Kurzsicht in all ihren Ausprägungen lesen wir jeden Tag in der Zeitung, im Internet, im Fernsehen. Sie werfen ein schlechtes Licht nicht nur zunächst pauschal auf den Tierschutz im allgemeinen; sondern auch auf die betroffenen, aber „unverschuldeten“ Hunde: waren es früher die „super sozial verträglichen kleinen Hunde aus dem Süden“, die jeder wollte (aber in den ortsansässigen Tierheimen irgendwie nicht fand...), sind es heute immer öfter lt. pauschaler, undifferenzierter Presse die „Südländer, die Krankheiten und Seuchen einschleppen“ und sich schlecht oder gar nicht in den Trubel des hiesigen Alltags einfinden können. Die Stimmung schlägt um, nicht erst seit gestern, und die „Schuld“ daran trifft all jene, die unbedarft und von falsch verstandener Tierliebe beseelt JEDEN Hund in JEDERMANNs Hände vermitteln, solange diese nur einen netten Eindruck machen und… zahlen.
Es bleibt hierbei nicht nur die fachkundige Einschätzung des Hundes und der Interessenten gleichermaßen auf der Strecke, sondern darüber hinaus und viel zu oft auch noch die Gewährleistung für den geimpften, „gesunden Hund“.
Wo das zukünftig hinführen wird…, darüber mag
sich jeder seine eigenen Gedanken machen.